Wie Bruno Labbadia den VfL Wolfsburg retten will

Es ist calcio povere

Labbadia hat es nicht geschafft, mal ein paar Spielzeiten bei einem Klub zu bleiben. Am längsten war er in Darmstadt, der Stadt, in der die Eltern gelandet sind, als sie aus der Gemeinde Lenola in der Provinz Latium, etwas mehr als 100 Kilometer südöstlich von Rom, nach Deutschland kamen. Und beim VfB Stuttgart, in der am stärksten von Italienern geprägten Stadt hierzulande. Aber das Italienische ist es nicht. Es liegt ein Problem darin, dass Labbadia dabei Erfolg hat, Mannschaften vor dem Abstieg zu bewahren. Der Fußball, der die Chance bietet, die Spielklasse zu halten, hält nicht die spielerische Klasse. Es ist calcio povere.

Zweikämpfe gewinnen, Fouls, laufen, vor allem hinterher, Fußball arbeiten, nicht spielen, defensiv gut stehen, sicher spielen, nichts zulassen, keine Räume anbieten. Das ist erfolgreich im Abstiegskampf, die Umstellung, wenn die Klasse gehalten wurde, zurück zum offensiven, aktiven, spielstarken Fußball, ist schwer. Der HSV schafft das seit Jahren nicht. Der VfL Wolfsburg ist eine Mannschaft, die anderen Fußball spielen will, die für ein anderes Spiel zusammen gestellt wurde. Labbadia wird sie Abstiegskampffußball lehren. Dabei werden die Spieler Dinge verlernen, die sie nächste Saison brauchen. Je intensiver die Mannschaft Abstiegskampffußball kickt, desto schwieriger wird es nächste Saison, guten Fußball zu spielen, falls Wolfsburg erstklassig bleibt.

Dass Labbadia auch anderen Fußball kann, hat er in seiner Trainerkarriere gezeigt. Bei Bayer Leverkusen. Bayer spielte in der ersten Saisonhälfte 2008/09 brillanten Fußball und war Tabellenführer. Offensiv, viele Tore, technisch anspruchsvoll, in der Abwehr Gonzalo Castro, im Mittelfeld: Arturo Vidal, Toni Kroos, im Sturm: Patrick Helmes und Stefan Kießling. Kurzpässe, sich nicht hinten rein drücken lassen, Initiative ergreifen, das Spiel in die Hand nehmen. Es sah nach dem großen Erfolg aus, hinter dem Bayer lange vergeblich her gewesen war.

Dann stürzte Leverkusen ab. Am Ende auf Rang neun. Es war die Saison, in der Wolfsburg unter Trainer Felix Magath Meister wurde. Labbadia konnte den Sturz nicht aufhalten. Es kam zum Zerwürfnis zwischen Trainer und Mannschaft. Bayer-Spieler redeten hinter vorgehaltener Hand nicht gut über den Coach. Es ging um persönliche, sehr persönliche Dinge.