Wie Bruno Labbadia den VfL Wolfsburg retten will

»Ich weiß, was auf uns zukommt«

In einem seiner ersten Interviews in Wolfsburg sagte Labbadia, in seinem leichten hessischen Dialekt, über den Abstiegskampf: »Ich kenne das Format.« Und: »Ich weiß, was auf uns zukommt.« Er - er kommt auf die Spieler des VfL Wolfsburg zu. Die Fans, den Rasen. Und die Gegner.

Seit eineinhalb Jahren hatte Labbadia keinen Job mehr. Trainer wie er, die nicht in einschlägigen Selbstvermarktungs-Fußball-Talkshows sitzen, drohen in Vergessenheit zu geraten. Labbadia, vor ein paar Tagen 52 Jahre alt geworden, gehört zu einer Generation von Fußballlehrern, die sich der Konkurrenz durch junge Kollegen, die gut ausgebildet, intelligent, eloquent im Umgang mit den Medien sind, gegenüber sehen. Trainer, die nicht, wie er, 328 Erstligaspiele (103 Tore) und 229 Zweitligaspiele (101 Tore) haben. Seine Geste waren die gezogenen Revolver, Labbadia - der Django aus Darmstadt. Er ist der einzige Profi, der sowohl in der Bundesliga als auch in der Zweiten Liga mehr als 100 Tore machte. In der Saison 1998/99 wurde er mit 28 Treffern Torschützenkönig der Zweiten Liga. Für Arminia Bielefeld. Und er sieht sich einem Trainer wie Jupp Heynckes gegenüber: Von vielen Medien hofiert, für unangreifbar erklärt, der Herberger des 21. Jahrhunderts, zu einer Zeit geboren, als Mönchengladbach noch München-Gladbach hieß.

Wahrscheinlich gibt es für Leute wie Wolfsburgs Sportdirektor Olaf Rebbe Trainerdateien, mit Kurzcharakterisierung, hinter Labbadias Namen stehen ein paar Ausrufezeichen und der Satz: »Nur für schwierige/aussichtslose Fälle«, und: »Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.« Wie die Verantwortlichen beim VfL Wolfsburg die Lage ihrer Mannschaft einschätzen, zeigt sich daran, dass sie den Mann mit dem Helm und der feuerfesten Unterwäsche engagiert haben.

Was kommt auf die Spieler des VfL zu? Labbadia wird ihnen sagen, dass er überhaupt keine Lust auf Relegation oder Abstieg hat. Dass er einen Horror davor hat. Er wird das nicht nur sagen, er wird das im Training vermitteln, beim Essen, beim Videostudium, in Gesprächen. In gewisser Weise sind Spieler, denen das Wasser bis zum Hals steht, von Trainern wie Labbadia gut zu erreichen. Sie wollen da raus, wenn sie ein Seil sehen, nehmen sie es. Vorausgesetzt, sie haben gemerkt, dass Flut ist. Falls es Spieler in Wolfsburg gibt, die das noch nicht mitbekommen haben, hat sich das nach den ersten Trainingseinheiten geändert.