Wie Berlusconi TV-Übertragungen behindert

Der Dunkelmann

Werder-Mediendirektor Tino Polster gab alles, um eine Live-Übertragung vom Spiel gegen Milan zu gewährleisten. Vergeblich. Doch viele Fans fanden dennoch Mittel und Wege, das Spiel in Echtzeit zu verfolgen. Wie Berlusconi TV-Übertragungen behindert Imago Zum Glück gibt es ja noch Al Jazeera Sports. Und Nasa TV aus Mazedonien. Und den russischen Kanal Goal.ru. Es soll bloß kein Fan des SV Werder Bremen sagen, er habe keine Möglichkeit gehabt, das überraschende 2:2 seines Teams gegen den AC Mailand auch in bewegten Bildern zu sehen. Satellitenschüssel und Internet boten eine Menge Chancen, das Spiel live zu verfolgen.

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Wer jedoch allein auf die deutschen Fernsehsender setzte, wurde enttäuscht. Als beim Spielstand von 0:2 Claudio Pizarro um 22.11 Uhr auf 1:2 verkürzte und dann um 22.21 Uhr den 2:2-Ausgleichstreffer bejubelte, da sah der interessierte deutsch Fußball-Fan vielleicht die ARD-Übertragung des Spiels zwischen Stuttgart und St. Petersburg - auf jeden Fall aber nicht feiernde Werder-Spieler.

Und noch nicht einmal eine Stunde später, als die ARD Zusammenschnitte der anderen Uefa-Pokal-Spiele mit deutscher Beteiligung zeigte, war die grün-weiße Überraschung zu sehen. Nur eine schnöde Zeile in der Ergebnisübersicht, das war alles.

Der Hintergrund: Weder die Öffentlichen-Rechtlichen noch der Sport-Spartenkanal DSF hatten sich mit dem italienischen Rechteinhaber Mediaset über den Kauf von Zweitrechten einigen können. Pikanterweise gehört der Fernsehkonzern jenem Silvio Berlusconi, der auch den AC Mailand und in seiner Funktion als Ministerpräsident quasi den italienischen Staat sein Eigen nennt.

Eine »horrende Forderung« habe es seitens der Italiener gegeben, beklagte ARD-Moderator Reinhold Beckmann vor laufenden Kameras. Swantje Wittstock von der ARD-Sportkoordination sagte, Mediaset habe sich sogar generell geweigert, der ARD Rechte für die Zusammenfassung zu lizensieren. Berlusconi, der Dunkelmann aus Mailand.
                                    
Auch der SV Werder Bremen verzweifelte. Medienchef Tino Polster sagte, der Verein habe selbst keine Möglichkeit gehabt, das Spiel live im Internet zu zeigen. Anders als im vergangenen Jahr beim Match gegen die Glasgow Rangers - damals erwarb ebenfalls kein deutscher Sender die Rechte und Werder Bremen bot dann auf der vereinseigenen Internetseite Live-Bilder an.

Dass das Spiel nicht live im Fernsehen kam, hing aber nicht nur mit Berlusconis Mediengruppe zusammen, sondern auch mit einer Abmachung unter den deutschen Europapokal-Startern. Die regelt, dass die deutschen Fernsehsender die Heimspiele der deutschen Teams übertragen, wenn zwei oder mehr Partien parallel stattfinden.
Deshalb war zunächst im Gespräch gewesen, die Anstoßzeiten für das Bremer Spiel in Mailand (20.45 Uhr) und das Duell zwischen Hamburg und Nijmegen (18.15 Uhr) zu verlegen, weil das HSV-Spiel nach dem klaren 3:0-Hinspielsieg sportlich nur noch wenig brisant war. Doch einen solchen Tausch lehnte der AC Mailand ab.

So blieb das TV also schwarz, als Bremen am Mittwochabend sensationell ins Achtelfinale einzog. Mittlerweile können sich die Fans die wichtigsten Szenen des Spiels ansehen. Zum einen auf Youtube, zum anderen auf der Vereinsseite werder.tv, weil ein ungeschriebenes Gesetz unter den Uefa-Pokal-Teilnehmern besagt, dass der gastgebende Klub den Gästen Bilder zur Verfügung stellt.





Dort gibt es die beiden Kopfballtreffer von Claudio Pizarro nun also auch ohne Al Jazeera Sports und Nasa TV zu sehen. Es sind zwei Kopfballtreffer, so schön und so wichtig, dass sie Live-Bilder durchaus verdient gehabt hätten.