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Wie Belgien Brasilien ausschalten konnte

Lukaku, der Außenstürmer

Belgien schlägt Brasilien im bisher besten Spiel der WM und ist der neue Topfavorit auf den Titel. Vor allem, weil sich die Mannschaft auch von einer schlechten Phase nicht aus der Ruhe bringen ließ. Die Analyse.

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So langsam geht sie so richtig los, diese Weltmeisterschaft. Das bisher wohl beste Spiel dieses Turniers lieferten sich Brasilien und Belgien am Freitagabend. Diese Spannung! Diese belgischen Konter! Diese wuchtigen, fast schon wilden brasilianischen Angriffe! Wir durchleben die Partie noch einmal und erklären, wieso die Belgier am Ende als Sieger hervorgingen.

1. Phase: Abwartender Beginn? Von wegen!
Von der ersten Minute an schenkten sich beide Teams nichts. Sich gegenseitig abtasten? Von wegen! Sowohl Belgien als auch Brasilien rückten offensiv nach vorne, wollten den Führungstreffer erzielen. Brasilien veränderte die eigene Taktik im Vergleich zu den Spielen zuvor kaum: Sie begannen mit einem 4-3-3-System, bei dem sie vor allem Angriffe über die linke Seite forcierten. Neymar gönnte sich als Linksaußen einige Freiheiten, zog häufig ins Zentrum. Den linken Flügel besetzte der gewohnt offensiv auftretende Marcelo.

Belgiens Trainer Roberto Martinez hatte sein System im Vergleich zu den vergangenen Spielen etwas umgestellt. Seine Mannschaft begann statt im üblichen 3-4-3 in einem 4-3-3-System. Nabil Chadli sollte als dritter Sechser das zentrale Mittelfeld zusätzlich absichern. Kevin de Bruyne agierte nicht mehr wie zuletzt aus dem zentralen Mittelfeld, sondern rückte eine Reihe weiter nach vorne.

Auffällig war, wie viel beide Teams riskierten. Statt die eigenen Angriffe mit sechs, sieben Spielern abzusichern, rückten immer wieder fünf bis sechs Spieler vor den Ball. Griff der Gegner an, postierten sich zwei oder drei Spieler in der gegnerischen Hälfte, um auf den Konter zu lauern. Die Phase des defensive Abtastens, sonst bei dieser WM häufig zu sehen, übersprangen beide Teams. In dieser turbulenten Anfangsphase hatte Belgien das glücklichere Ende für sich: Sie gingen per Eigentor durch Fernandinho in Führung (13.).

2. Phase: Belgiens Plan geht auf
Nach dieser frühen Führung traten die Konturen des belgischen Plans deutlicher hervor. Anders als in den vorangegangenen Spielen wollten sie die Partie nicht über den eigenen Spielaufbau dominieren. Stattdessen war ihr Ziel, über eine stabile Defensive den Gegner auszukontern.

Dazu hatte sich Belgiens Trainer Martinez einige taktische Kniffe zurechtgelegt. Belgien wollte die starke linke Seite der Brasilianer neutralisieren: Marouane Fellaini und Axel Witsel rückten aus dem zentralen Mittelfeld auf die Flügel, um eine Überzahl zu schaffen. Marcelo und Neymar durften sich auf dem Flügel zwar den Ball zuspielen, doch sobald sie Tempo aufnahmen, standen die belgischen Verteidiger bereit. Brasiliens Superstars auf dem linken Flügel waren isoliert.

Vorne wiederum lauerten Romelu Lukaku, Eden Hazard und Kevin de Bruyne auf Konter. Torjäger Lukaku besetzte dabei nicht etwa das Sturmzentrum, sondern rückte nach Rechtsaußen. Dort positionierte er sich im Rücken des ständig nach vorne sprintenden Marcelo. Im Zentrum wiederum ließ sich de Bruyne als »falsche Neun« häufig ins gegnerische Mittelfeld fallen. Belgien leitete die eigenen Konter über de Bruyne ein und schickte Lukaku hinter die Abwehr. Dieses Zusammenspiel bescherte Belgien die 2:0-Führung (31.).