Wie Arsene Wenger immer wieder ins Kreuzfeuer gerät

Danke für alles – und tschüs!

Nach dem Aus im FA-Cup steht Arsene Wenger wie nie zuvor in der Kritik. Gegen Barcelona wird Arsenals Trainer ein Scheitern noch verziehen – in der Liga aber wohl nicht.

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Arsene Wenger sprach ruhig und gefasst. Manchmal kratzte er sich am Bein, aber ansonsten war er ungerührt. Das sei alles sehr traurig, aber nun einmal der Pokal, sagte er in unaufgeregtem Ton. Mal verliere eine Mannschaft eben Spiele, mal gewinne sie. Die Journalisten überschlugen sich in ihren Fragen, Wenger reagierte in seiner höflichen Art: »Sorry?«

Er wirkte wie jemand, der in einem brennenden Haus geduldig das Treppengeländer poliert. Arsenal schied an diesem Tag mit einer 1:2-Niederlage daheim gegen Watford aus dem FA-Cup aus und verspielte die einmalige Chance, jene historische Trophäe dreimal hintereinander zu gewinnen.

Elf Punkte hinter Leicester

Der Klub könnte damit diese Saison ohne einen einzigen Titel abschließen. In der Champions League steht Arsenal vor dem Rückspiel in Barcelona am Mittwoch vor dem fast sicheren Aus. In der Liga fiel das Team mittlerweile elf Punkte hinter den Spitzenreiter Leicester City zurück. Arsenal werde wohl wieder nur die »Wenger trophy« holen, also einen Platz unter den ersten Vieren, sagen die Spötter in England. Das wäre nach dieser Ausgangslage und mit dieser Mannschaft in ihren Augen so viel wert wie eine Tüte Luft.

Während Wenger im Presseraum die Pleite abmoderierte, gingen sich die Fans seinetwegen vor dem Stadion an die Gurgel. Die Fronten sind verhärtet zwischen seinen Befürwortern und seinen Gegnern. Die eine Seite schätzt weiterhin die außergewöhnlichen Errungenschaften des Franzosen während dessen nunmehr 20 Jahre währender Regentschaft: die Meisterschaft 2004 ohne Niederlage, das neue Stadion, die anregende Spielweise oder die fortlaufende Qualifikation für die Königsklasse. »Wenger knows best«, pflegen sie zu sagen. Wenger weiß es am besten.

»Es ist Zeit, sich zu verabschieden«

Die Gegenseite allerdings vermisst jeglichen Fortschritt und zürnt ob des Wengerschen Stoizismus. Viele Fans sind ermattet von Arsenals alljährlicher Titelschludrigkeit, durch die die Mannschaft kontinuierlich ihre formidable Ausgangslage aus der Hand gibt. Seit einem Jahr trägt eine Gruppe von Anhängern ein Transparent in die Stadien, auf dem zu lesen ist: »Arsene – thanks for the memories but now it's time to say goodbye.«

Obgleich die Gruppe in vornehm-britischem Ton ihre Rücktrittsforderung mit einem Dank garniert, erregt das Plakat die Gemüter. Fernsehexperten wie Gary Lineker empfinden es als absolut »respektlos«. Doch innerhalb der Fanszene sehen das längst nicht alle so. »Vor einem Jahr wurden wir noch bespuckt, jetzt werden wir beklatscht«, erklärte einer der Initiatoren gegenüber der BBC.