Wie Alvaro Dominguez sein Karriereende erlebte

»Wenn Ärzte nicht aufpassen, hat es Folgen«

Als ich vor einigen Woche zurück nach Gladbach kam, sah ich, dass sie meinen Spind ausgeräumt hatten, weil der neue Verteidiger Timothée Kolodziejczak meinen Schrank bekommen hat. Noch bis Ende Juni 2017 läuft mein Vertrag in Mönchengladbach. So lange erhalte ich mein Gehalt anteilig von der Zusatzversicherung. Wie es danach weitergeht, weiß ich momentan noch nicht. 

Ich will keinen Krieg. Ich will Frieden

Ich mache niemandem einen Vorwurf. Ich bin überzeugt, niemand wollte meine Gesundheit vorsätzlich aufs Spiel setzen. Jeder Profi hat schon unter Schmerzen gespielt. Jeder weiß, wie extrem die Belastung für den Körper ist. Spieler müssen fit sein, damit die Mannschaft ihre Ziele erreicht. Es gibt ständig Druck von außen: auf die Trainer, die Manager, die Präsidenten – und am Ende auf die Spieler. Verletzungen gehören zum Fußball dazu, das ist der Job. So gesehen ist mein Fall eine Verkettung unglücklicher Umstände. 

Wenn Fußballer nicht wachsam sind, schießt der Gegner manchmal ein Tor. Wenn Ärzte nicht aufpassen, hat es andere Folgen. Aber es ist menschlich – und deswegen bin ich nicht böse oder denke über rechtliche Schritte nach. Ich will keinen Krieg. Ich will Frieden. Mein Leben genießen. Schmerzfrei sein. Aber ich gebe zu, manchmal hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht. Mehr Empathie. 


Ein Zweitligaprofi, dem dasselbe passiert wäre, stände vor dem Nichts

Auch ich habe Fehler gemacht. Wenn ich den Schmerz von Anfang an ernster genommen hätte, hätten es vielleicht auch andere getan. Ich habe meinen Zustand verschlimmert, weil ich der Mannschaft helfen wollte und nicht den Mut hatte, auf Zeichen zu hören, die mein Körper mir sandte.

 Deswegen möchte ich einen Anstoß geben, dass sich Vereine und Verbände stärker mit den Leiden der Fußballer auseinandersetzen. Sie ernster nehmen. Einen Anstoß auch an Spieler, sich richtig beraten zu lassen, auf ihr Geld achtzugeben und sich bewusst zu machen, was passieren kann. Denn ich habe einen Fünf-Jahres-Vertrag in Gladbach unterschrieben, aber am Ende längst nicht über die gesamte Zeit mein volles Gehalt verdient. Zum Glück bin ich mit dem Geld sorgsam umgegangen. Niemand muss sich Sorgen um mich machen. Aber ein Zweit- oder Drittligaprofi, dem dasselbe passiert wäre, stände an diesem Punkt vor dem Nichts.

Sport ist mein Leben 

Heute sehe ich das Leben mit anderen Augen. Ich habe viel Zuspruch aus dem Fußball bekommen, nachdem meine Geschichte bekannt wurde. Der AC Milan, Ralf Rangnick und einige Physios aus der Bundesliga boten Hilfe an. Auch Atlético hat sich gemeldet. Im Dezember habe ich mich vor einem Heimspiel dort von den Fans verabschieden dürfen. 

Ich hätte mich gefreut, so was auch in Gladbach zu machen. Denn ich habe mich dort verletzt – nicht in Madrid. Mehrere Klubs fragen, ob ich eine Tätigkeit übernehmen wolle. Sport ist mein Leben. Auch wenn ich nicht mehr spielen kann – ich werde im Fußball bleiben.