Wie Alvaro Dominguez sein Karriereende erlebte

»Das ist das Ende«

Die Entscheidung
März 2016. Die Reha verlief zäh. Wochenlang stand ich nur auf dem Crosstrainer, weil ich keine anderen Übungen machen konnte. Von den Vereinsoffiziellen hörte ich wenig. Mit einem verletzten Spieler in der Reha ist eben nicht viel anzufangen. Doch die Muskulatur blieb verhärtet. Trotz ständiger Tests und Blutentnahmen bei den Münchner Ärzten kam ich nicht weiter. Ich machte mich europaweit auf die Suche nach Rückenspezialisten. Ich stellte mich in Italien, Spanien, Holland und Deutschland bei Ärzten vor, bei sieben verschiedenen Neurochirurgen. Die Arztbesuche und Reisen kosteten mich einen sechsstelligen Betrag, zu dem mir Borussia einen Teil dazugab. 

In dieser Zeit vermisste ich die Unterstützung des Klubs wohl am meisten. Ein Fußballer ist Teil eines Teams. Im Spiel versucht er, gemeinsam mit seinen Mitspielern Probleme zu lösen. Man steht füreinander ein. Nun wurde mir bewusst: Wenn das Spiel abgepfiffen wird, ist man als Profi auf sich allein gestellt. Zum Glück waren meine Familie und meine Berater da, die mir halfen. 

»Ich will einfach nur schmerzfrei leben können.« 

Juventus Turin bot mir Hilfe und Reha-Training an. Drei Mal die Woche war ich fortan in Turin, die restliche Zeit arbeitete ich mit meinem Osteopathen in Madrid und schöpfte durch die Unterstützung erfahrener Neurochirurgen noch einmal Hoffnung. Am 27. Juni 2016 stand ich wieder mit dem Team auf dem Platz, um in die Vorbereitung zu starten. Ich hatte einen eigenen Trainingsplan bekommen, doch nach der zweiten Einheit mit der Gruppe waren die Schmerzen zurück. Der Albtraum ging weiter. 

Mitte Juli schlug mir ein Madrider Chirurg vor, mir zwei Prothesen einzusetzen, um mir wieder Stabilität im Rücken zu verschaffen. Er sagte: »Wenn ich das tue, ist es das Ende.« Kein Fußballer auf der Welt spielt mit zwei Prothesen im Rücken. Ich antwortete ihm: »Ich will einfach nur schmerzfrei leben können.« 

Ein neues Leben 
August 2016. Als ich am 26. August 2016 in die Narkose wegdämmerte, wusste ich: Das war’s! Aber wer den ganzen Tag Schmerzen hat, lebt nicht mehr unbeschwert. In einer deutschen Zeitung stand später, ich hätte über Selbstmord nachgedacht. Völliger Unsinn! Schon vor der ersten OP im November 2015 hatte ich mir Gedanken gemacht, was passiert, wenn ich nie mehr dem Beruf als Fußballer nachgehen könnte. Ich hatte einen Blick auf meine Konten geworfen und mir gesagt: »Álvaro, du musst dir keine Sorgen machen, finanziell gibt es so viele, denen es viel schlechter geht.«

Seit ich meine Diagnose kenne, habe ich mich viel mit der Bandscheibe beschäftigt. Ich kenne jetzt Therapien, die mir helfen, und die, die mir nicht helfen. Ich weiß, dass ich fit bleiben muss, damit meine Wirbelsäule Stabilität hat. Bis auf weiteres kann ich nur leichten Sport machen: Schwimmen, Spazierengehen. Fußball ist ausgeschlossen, weil Rotationssport die Gefahr birgt, dass sich meine Situation wieder verschlimmert.

Nachdem ich im Dezember 2016 ein großes Interview zu meiner Situation gab, bot mir Max Eberl an, dass mich der Verein im rechtlichen Fragen unterstützen wolle. Daran arbeiten wir gerade.