Wie Alieu Darbo Europas Profivereine an der Nase herumführt

Mit 80 Verträgen um die Welt

Gefälschte E-Mails von Michael Zorc, dubiose Video-Snippets und Verträge in halb Europa: Alieu Darbo erfand seine eigene Weltkarriere. Bei PAOK Saloniki hätte der Gabuner fast einen Millionenvertrag bekommen.

Screenshot Youtube: Landskrona BOIS

Alieu Darbo war wieder einmal schneller. Als der große Schwindel aufgeflogen war, hatte der damals 22-Jährige die Stadt Saloniki eilends verlassen. Seinen damaligen Berater ließ Darbo allein im Hotel »Makedonia Palace« zurück. Der Berater, der diese unglaubliche Geschichte anonym der schwedischen Zeitung »Aftonbladet« erzählt hat, verbarrikadierte sich darauf im Bad seiner Suite und litt Todesangst. Kurz zuvor hatte er einen bitterbösen Anruf von Zisis Vryzas, dem Sportdirektor von PAOK Saloniki, erhalten. Vryzas, Mitglied der griechischen Europameister-Mannschaft von 2004, hatte herausgefunden, dass Darbo ihn komplett an der Nase herumgeführt hatte.

Sowohl das Empfehlungsschreiben eines schwedischen Scouts, das Darbo und sein angeblich argloser Berater bei PAOK eingereicht hatten, als auch die E-Mail von BVB-Manager Michael Zorc waren glatte Fälschungen. In der Mail hatte der vermeintliche Zorc den früheren U17-Nationalspieler Gabuns wärmstens empfohlen und PAOK einen Deal angeboten: Die Griechen sollten den in Schweden geborenen Darbo unter Vertrag nehmen, ihm ein paar Jahre Spielpraxis verschaffen und ihn dann nach Dortmund weiterreichen. Für diese kleine Gefälligkeit winkten den PAOK-Verantwortlichen bis zu vier Millionen Euro – quasi als Ausbildungsentschädigung. Ach ja, außerdem bat der falsche Zorc ausdrücklich darum, dem hochbegabten Spieler ein Probetraining zu ersparen.


»Bis morgen früh seid ihr hier verschwunden«


Doch Vryzas war misstrauisch geworden. Kurz vor der Unterzeichnung des mehrjährigen Millionenvertrages erhielt er einen Rückruf aus Dortmund: alles Betrug! Prompt trommelte der Sportdirektor ein Dutzend PAOK-Ultras zusammen und marschierte mit diesen beim Hotel auf, in dem der Mittelfeldspieler und sein Berater warteten. »Bis morgen früh seid ihr hier verschwunden!«, drohte Vryzas. Darbo machte sich lieber noch am selben Tag aus dem Staub. Sein Berater verbrachte die Nacht in der Hotel-Badewanne, aus Angst, ihm könnte jemand im Schlaf ein Kissen aufs Gesicht drücken. Die Zimmertür hatte er vorsorglich mit einem schweren Schreibtisch verrammelt. So geschehen im Sommer 2014. Sagt der Berater.

Unglaublich? Es kommt noch besser.

PAOK war scheinbar nicht der erste Klub, den Darbo hinters Licht geführt hatte. Und auch nicht der letzte. Bereits im Juni 2013 hatte der damals 21-Jährige einen Dreijahresvertrag bei Dinamo Zagreb erhalten, obwohl er zum Zeitpunkt der Unterschrift »verletzt« war. Ein Probetraining musste Darbo nicht absolvieren. Warum auch? Er hatte ja exzellente Referenzen vorgewiesen, angeblich sogar vom schwedischen Bayern-Scout Björn Andersson. Der hielt sich gegenüber »Aftonbladet« bedeckt, erklärte jedoch, er habe in der jüngeren Vergangenheit gleich drei Anzeigen erstattet, weil jemand in seinem Namen falsche Fakten in die Welt gesetzt habe. Der FC Bayern habe ebenfalls Anzeige erstattet. Gegen wen? Das ließ Andersson offen.

Er nahm die Zehn

Auch beim italienischen FC Crotone soll Darbo mit dubiosen Empfehlungen sowie zweifelhaften Videozusammenschnitten gepunktet haben. Der damalige Serie-B-Klub präsentierte den Burschen mit dem Bubigesicht wenige Wochen vor dem denkwürdigen Saloniki-Trip als Neuzugang. Darbo, der zuvor ja immerhin für Dinamo Zagreb gespielt hatte, durfte sogar seine Rückennummer frei wählen. Er nahm die Zehn.

Was dann passierte, ist umstritten: Darbo selbst erzählte Bekannten und schwedischen Medien von rassistischen Beleidigungen durch Crotone-Fans. Andere Quellen berichten von auffälligen Ungereimtheiten in den Unterlagen des Spielers. Er verließ Crotone nach nur einem Tag.