Wie Alexander Zorniger in Dänemark sein Glück gefunden hat

Der König von Kopenhagen

In der Bundesliga gilt Alexander Zorniger als gescheitert. Jetzt kann der Ex-Stuttgarter mit Brøndby IF zum ersten Mal seit 13 Jahren Meister werden. Dabei wollte er dort eigentlich gar nicht hin.

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»Urlaub machen«, das soll Alexander Zorniger geantwortet haben, als er vom dänischen Agenten Poul-Erik Petersen nach seinen Zukunftsplänen gefragt wurde. Petersen war bei Zorniger vorstellig geworden, um das Interesse des Deutschen an einer Anstellung beim dänischen Traditionsverein Brøndby IF auszuloten. »Sehr gering«, denn Zorniger sah seine Zukunft als Trainer weiterhin in Deutschland.

Doch die Brøndby-Verantwortlichen blieben hartnäckig, flogen ihren Wunschkandidaten zweimal nach Kopenhagen ein, zeigten ihm Stadt und Stadion. Klubeigentümer Jan Bech Andersen besuchte Zorniger schließlich in Stuttgart und überzeugte ihn, den Schritt in die wenig prestigeträchtige Superliga zu wagen. Ein Glücksfall für beide Seiten, denn Zorniger hat mit dem Pokalsieg zehn titellose Jahre vergessen gemacht.

Kein Platz für Dogmatiker

In Stuttgart war der heute 50-Jährige bei seiner letzten Trainerstation in Deutschland krachend gescheitert. Nach neun Niederlagen aus 13 Ligaspielen zog der VfB die Reißleine und setzte den dogmatisch wirkenden Pressingfanatiker Zorniger im Herbst 2015 vor die Tür.

Im Grunde sprachen die Stuttgarter ihm durch seine Entlassung die Bundesliga-Tauglichkeit ab. Bereits in Leipzig war Zorniger im selben Jahr beurlaubt worden, nachdem er RB zuvor aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga geführt hatte. Rangnick und Mateschitz trauten ihrem früheren Erfolgscoach nicht zu, ihren »Klub« auf schnellstem Wege in die Bundesliga zu führen.

Vorstadttristesse

Stattdessen also ein schmuckloser Vorort von Kopenhagen, dessen Fußballverein schon seit Jahren den eigenen Ansprüchen hinterherhechelte. Brøndby IF hatte einst die Laudrup-Brüder hervorgebracht und in den 90ern die dänische Meisterschaft mit fünf Titeln in acht Jahren dominiert, bevor der verhasste Rivale FC Kopenhagen den Vorstädtern sowohl sportlich als auch finanziell den Rang ablief.

Zorniger brachte seine pressingorientierte Spielweise mit nach Dänemark und überrumpelte damit gleich im ersten Jahr die Superliga. Am Ende der Spielzeit 2016/17 stand ein achtbarer zweiter Platz. In der Europa-League-Qualifikation gelang ein Überraschungserfolg gegen Hertha BSC.