Wie Alemannia Aachen in der Regionalliga strandete

Der Tivoli war nichts für Pussys

In Aachen, beim Umzug 250 Meter die Straße runter, scheint der Klub seine Seele vergessen zu haben. Der alte Tivoli, klein und eng, stand auch für eine bestimmte Haltung. »Es hat sich ein Geist entwickelt zwischen Stadion, Fans und Mannschaft«, erinnert sich Klitzpera.

Die härtesten Fans standen im S-Block auf der Gegengeraden. Wenn der gegnerische Außenverteidiger an der Seitenlinie entlanglief, fing der ganze Block an zu schreien: Ra, ra, ra! Als wäre ein riesiger Krähenschwarm im Anflug. »Der Tivoli hatte Flair, Charme, eine besondere Energie auch«, sagt Klitzpera, der am liebsten am Freitagabend gespielt hat, unter Flutlicht und bei Regen.

Ein Bodybuilder in Fußballschuhen

Dann ist der morbide Charme erst richtig zur Geltung gekommen. Schon in den Umkleidekabinen konnte man ihn riechen. Der Tivoli war nichts für Pussys. Und niemand war weniger Pussy als Willi Landgraf aus Bottrop, ein Bodybuilder in Fußballschuhen.

Alexander Klitzpera hat noch das Bild vor Augen, wie Landgraf sich die Stollen wechseln ließ und sein Gegenspieler plötzlich mit dem Ball an ihm vorbeilief. Landgraf sofort hinterher, »mit der langen Rohrzange in der Hand«.

Klitzpera, der aus der Jugend des FC Bayern stammt, hat in seiner Zeit bei der Alemannia drei Mal auf dem Tivoli gegen die Bayern gespielt; drei Mal ging er als Sieger vom Platz.

»Das ist der alte Tivoli.«

»Wir haben unsere Art, wie wir Fußball gespielt haben, immer beibehalten«, sagt er. Auch die Bayern haben sie am eigenen Sechzehner angelaufen, selbst als Zweitligist, 2004 im Pokal, »volles Risiko, mit unseren Zuschauern im Rücken«.

Nach dem Spiel kam ein Physiotherapeut der Bayern zu Klitzpera. »Ihr habt doch gewonnen«, sagte er. »Könnt ihr uns jetzt nicht wenigstens warmes Wasser geben?« Klitzpera antwortete: »Entweder warmes Wasser oder Rasenheizung. Beides geht nicht.« Er macht eine kurze Pause. »Das ist der alte Tivoli.« Ist. Als gäbe es das Stadion immer noch.