Wie 30 Kolumbianer in Bogota den Bayern-Knatsch erleben

»Karl-Heinz hat Recht«


Foto: Tobias Käufer


Seit mit Nationalmannschaftskapitän James nach Adolfo Valencia in den 1990er Jahren wieder ein Kolumbianer für die Bayern aufläuft, wird die Verpflichtung des Superstars aus Ibaque heiß diskutiert im Kreis von »Mia San Rot Weiß Kolumbien«. »Einige hatten Angst, dass nun vor allem James-Fans dazu kommen würden, aber wir sind Fans des Wappens, der Mannschaft, nicht eines einzelnen Spielers«, erklärt Edwin die Distanz zu dem Wechsel. Die Befürchtungen haben sich nicht bestätigt: »Inzwischen sehen wir das positiv. Es erfüllt uns mit Freude, dass ein Spieler unserer nationalen Farben in der Arena spielt. Und natürlich ist er ein Top-Spieler, einer auf Welt-Niveau, der die Mannschaft auf vielerlei Art unterstützen kann«, sagt Edwin mit dem üblichen kolumbianischen Pathos.

Natürlich werden auch in Bogota, zwölf Flugstunden von München, die aktuellen Ereignisse rund um den FC Bayern diskutiert. »Ich glaube 98 Prozent aller Bayern-Fans sind der Meinung, dass Thomas spielen muss. Er repräsentiert den Klub wie kein anderer Spieler, steht für dessen Kultur und Lebensart«, sagt Edwin zur Müller-Debatte. »Aber er hat eben zuletzt auch nicht so gut gespielt.«

»Karl-Heinz hat Recht«

Die Forderungen von Robert Lewandowski nach Top-Transfers mit Summen jenseits der 100 Millionen Euro sieht er skeptisch. »Wir mögen alle Robert, er ist einer von den Spielern, deren Trikot am Ende eines Spieles immer durchgeschwitzt ist, aber die Mehrheit von uns lehnt solche Erklärungen ab. Karl-Heinz hat Recht, solche Meinungen sollten im internen Kreis geäußert werden, nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Aber um oben mitspielen zu können, werden wir wohl nicht darum herumkommen, auch auf diesem Level Geld auszugeben.«

Gegen den RSC Anderlecht haben sie sich das erste Mal getroffen in der neuen Saison. Auch Dienstag, 13:45 Uhr Ortszeit, ist für alle die arbeiten oder studieren eine Herausforderung, zudem im täglichen Verkehrsinfarkt der Stadt noch mal mindestens eine Stunde Anfahrt aus den verschiedenen Stadtvierteln hinzukommt.

Trotzdem sind es am Ende rund 20 kolumbianische Bayern-Fans, die sich im Café Dublin über einen 3:0-Sieg freuen. Und bei jedem Tor schlägt die Stunde von Luftfahrt-Technikstudent Luis Guillermo. Der hat sich nämlich im deutschen Sprachinstitut in Bogota sowie via Internetclips beibringen lassen, wie die Tore in der Münchner Arena gefeiert werden: »In der 90. Spielminute neuer Spielstand. FC Bayern - drei - Anderlecht – null«, ruft er in die Runde. »Danke – Bitte.« Auch in Bogota hat die neue Bayern-Saison begonnen.

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