Wie 30 Kolumbianer in Bogota den Bayern-Knatsch erleben

»Thomas muss spielen«

In der kolumbianischen Hauptstadt hat der FC Bayern einen eigenen Fanclub - allerdings nicht wegen James Rodriguez. Dafür mit Fans, die Klartext reden: Über Müller, Lewandowski und Rummenigge. Ein Ortstermin bei »Mia San Rot Weiß Kolumbien« in Bogota. 

Tobias Käufer

Sie haben es nicht leicht, die Bayern-Fans in Bogota. Fanclub-Präsident Edwin Mahmut hat eingeladen zum Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen den RSC Anderlecht. Stammkneipe in der kolumbianischen Hauptstadt ist das »Café Dublin« an der Calle 100 im Norden der Stadt. »Die ist für alle am besten erreichbar mit dem Bus«, erklärt »Stadionsprecher« Luis Guillermo (25). Kurz vor Anpfiff stehen die Fans vor dem verschlossenen Lokal, der Wirt ist nicht da. »Er kommt in einer Minute«, ruft Edwin den wartenden Fans via Handy zu. »In einer kolumbianischen Minute«, ergänzt Edwin.

Kurz nach Anpfiff öffnen sich die Türen. Schnell sucht die Kellnerin den passenden Kanal und glaubt ihn gefunden zu haben. Doch BEN als Kürzel bedeutet nicht Bayern, sondern Benfica Lissabon. »Falsches Spiel« ruft Edwin, doch exakt nach 5:27 Minuten Spielzeit erscheint auf allen Bildschirmen des Irish Pub das Bayern-Spiel. Großes Aufatmen, das Guinness ist bestellt.

»Bayern macht vieles anders«

Im Rest der riesigen Neun-Millionen-Metropole, der zweitgrößten Stadt Südamerikas, dominiert eine andere Partie die Bildschirme der Cafés, Restaurants und Clubs: FC Barcelona gegen Juventus Turin. »Hier unterstützen sie fast immer nur die spanischen Mannschaften, immer schauen sie nach La Liga«, sagt Edwin. Vor zwei Jahren gründete er den Fanclub »Mia San Rot Weiß Kolumbien«. Der Liebe zu Deutschland - das er noch nie besucht hat - wegen und weil er nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2012 im eigenen Stadion fasziniert gewesen war, wie sich der Klub aufrappelte und ein Jahr später das Triple gewann. »Bayern macht vieles anders, das ist faszinierend.«

Inzwischen zählt der Fanclub mehr als 300 Mitglieder im ganzen Land. Aus Bogota kommen die meisten, aber auch in Medellin, Cali, Barranquilla oder kleinen Dörfern haben sie sich via sozialer Netzwerke zusammengefunden. Ein Spiel gemeinsam zu sehen ist jedes Mal eine Herausforderung, berichtet Edwin: »Die Bundesliga-Spiele beginnen ja um 08:30 Uhr am Samstagmorgen unserer Zeit. Da findest Du kein Restaurant, keinen Club für 30, 40 Leute. Und die meisten sind Studenten, die sind Freitagnacht unterwegs.«

Trotzdem findet sich immer eine kleine Gruppe aus den 300 Fans, die zusammen ins Café Dublin gehen. Nur selten schafft es einer aus den anderen Städten: »Das sind 40 Euro für ein Busticket, dazu kommen dann auch noch acht, neun Stunden Anfahrt aus Medellin. Das Hauptproblem sind aber die hohen Fahrtkosten«, berichtet Luis Guillermo, der Luftfahrt-Technik studiert.

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