Widersprüchlicher Guardiola

Pep und das gelbe Band

Pep Guardiola trägt neuerdings gelb — als Ausdruck seiner politischen Ansichten. Warum der englische Verband etwas dagegen hat und weshalb Guardiola sich damit selbst widerspricht.

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Der Fußball schreibt absurde Geschichten. Die Erzählung von Pep Guardiola und dem gelben Band ist in Sache Absurdität aber kaum zu überbieten. Es geht um den Premier-League-Spitzenreiter und ein politisches Erwachen unter seinen Fans. Es geht um den Klubbesitzer Scheich Mansour und seine Heimat Abu Dhabi. Und es geht um politische Symbole und um Pep Guardiola: den Fußballrevolutionär, der sich manchmal auch für Demokratie und Menschenrechte einsetzt. Und manchmal eben nicht. 

Am Sonntag gewann Guardiola seinen ersten Titel als Trainer von Manchester City. Der Erfolg im Ligapokal, der Triumph der lange verletzten Klub-Ikone Vincent Kompany, und die fußballerische Demütigung eines hochkarätigen Gegners wurden aber von etwas wichtigerem überschattet. Denn im Wembley-Stadion trugen rund 4000 City-Fans ein gelbes Band: ein Symbol der Solidarität mit den katalanischen Aktivisten Jordi Cuixart und Jordi Sanchez, sowie den Politikern Oriol Junqueras und Joaquim Forn, die allesamt seit Oktober in Sicherungsverwahrung sind.

Verbot? Welches Verbot?

Es sind wirklich kuriose Zeiten, wenn die Londoner Branche des Komitees zur Verteidigung der katalanischen Republik (CDR) tausende symbolische Bänder an Fußballfans aus Manchester verteilen kann. Wie das CDR in ihrer triumphalen Pressemitteilung aber erklärte: »Wenn wir einen erreichen, erreichen wir viele!« Der eine, in diesem Fall, mag Pep Guardiola sein. Die vielen sind wohl die tausenden Fans, die seinetwegen ein gelbes Band trugen. 

Denn Guardiola, der schon immer ein ausgesprochener Unterstützer der katalanischen Unabhängigkeit war, trägt das gelbe Band seit der Verhaftung von Cuixart, Sanchez, Junqueras und Forn im vergangenen Oktober. An der Seitenlinie und in seinen Pressekonferenzen ist es immer auf seiner Brust zu sehen. Das führte neulich zu einer Strafe vom englischen Verband (FA), der politische Botschaften im Stadion verbietet. Doch auch am vergangenen Sonntag trug er das Band in der Öffentlichkeit. 

Kompromisslos wie immer

»Die FA weiß, dass ich es immer tragen werde. Wenn das regelwidrig ist, zahle ich gerne die Geldstrafe«, sagte ein trotziger Guardiola nach dem Spiel. »Bevor ich ein Fußballtrainer bin, bin ich ein Mensch. Es geht hier nicht um Politiker, sondern um die Demokratie. Es geht darum, den Menschen zu helfen, die nichts getan haben.«

»Ihr Engländer wisst ja, worum es geht. Ihr habt den Brexit gemacht und die Schotten über ihre eigene Zukunft entscheiden lassen. Nur das wollen die Katalanen für sich.«
 
Es war eine bewundernswerte Rede. Wahrlich zeigte Guardiola, dass er in der Politik genauso kompromisslos und ideologisch vorgeht wie bei der Wahl seiner fußballtaktischen Mittel. Gleichzeitig enttarnte er unabsichtlich die Heuchelei der FA. Den Verband, der jahrelang dafür kämpfte, dass die Fifa das Tragen von Mohnblümchen zum Gedenken an Kriegsgefallene zulässt.