What's up, Kevin Kuranyi?

Die stumpfe Spitze

Schalke gewann 3:1, doch einer verlor trotzdem: Abermals vergab Kevin Kuranyi zwei Riesenchancen. Im Umfeld schwebt die Frage: Ist das noch Pech – oder kann der Mittelstürmer es schlichtweg nicht besser? What's up, Kevin Kuranyi? imago images
Da schießt Halil Altintop beim recht souveränen 3:1-Sieg der Schalker im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach zwei Tore, aber trotzdem stand einer im Mittelpunkt, der zweimal nicht getroffen hat, aus nächster Nähe nicht – Kevin Kuranyi. Bei dem Ex-Nationalspieler, mit sechs Treffern immer noch bester Schalker Torschütze in dieser Saison, stehen mittlerweile die Chancen und die erzielten Treffer in einem überaus klaren Missverhältnis zueinander. Grob geschätzt 18:6 in dieser Saison.

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Schulterzucken und verlegenes Lächeln

Das Versagen des 26-Jährigen häuft sich vor allem in den letzten Spielen, man denke an die glasklare Möglichkeit in der Vorwoche in Leverkusen und an die noch klareren jetzt gegen Gladbach.

Schulterzucken und verlegenes Lächeln waren die ersten Reaktionen des Fehlschützen nach dem Spiel. Die anfängliche Sprachlosigkeit beendet der umstrittene Angreifer mit einem Vorschlag. »Wenn ich selbst die Fragen stellen würde, würde ich mich fragen: Warum hast du zweimal vorbei geballert? Die Antwort aber kann ich nicht geben. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

Kuranyi bleibt eine Reizfigur

Und so bleibt Kevin Kuranyi das, was er in Schalke eigentlich immer war. Eine Reizfigur. Der gefeierte Held, wenn er trifft, und der gnadenlos Ausgepfiffene, wenn es nicht klappt. »Vielleicht haben die Fans eine andere Meinung, aber ich finde Kevin hat ein gutes Spiel für die Mannschaft gemacht. Er hat zwei Tore mit vorbereitet«, sagte Trainer Fred Rutten. Die eklatanten Schwächen seines Torjägers erwähnt er nur am Rande. »Ich arbeite mit einer Mannschaft und lege nicht alles auf die Schultern eines Spielers. Kevin hat nicht getroffen, dafür aber ein anderer.«

Zweifacher Torschütze Halil Altintop

Auch wenn es eventuell als Majestätsbeleidigung gewertet wird, muss die Feststellung erlaubt sein, dass bei Kevin Kuranyi sehr viel Unvermögen mitspielt. Würde er neben seinen regelmäßig rund 15 Saisontreffern nur die Hälfte seiner Chancen verwerten, würde er zu den europäischen Toptorjägern zählen. Aber dazu gehört Kuranyi eben nicht, auch wenn er trotz seiner beschränkten Möglichkeiten im aktuellen Schalker Kader nach wie vor alternativlos ist.

»Kevin wird auch bald wieder seine Tore schießen«, sagte Halil Altintop, den Fred Rutten meinte, als er von dem Anderen sprach, der gegen Gladbach getroffen hatte.

Zweimal hatte der türkische Nationalspieler sich durchgesetzt. Einmal als Kevin Kuranyi seine stärkste Szene hatte, indem er einen Ball einfach zu Altintop durchließ und einmal nach wunderschönem Pass von Orlando Engelaar.

Zwischen diesen beiden Toren zum 1:0 und 3:1 lagen zwei weitere Treffer. Das Elfmetertor zum 2:0 durch Jefferson Farfan und das zwischenzeitliche Gladbacher Anschlusstor zum 1:2 durch Rob Friend.

»Im Spiel gegen den Ball hat uns einiges gefehlt«

»Wir haben nicht so gut gespielt wie zuletzt gegen Bayern München«, sagte Schalkes Trainer Fred Rutten. »Aber dieses Mal haben wir gewonnen. Geärgert habe ich mich über das Gegentor. Solche Tore dürfen wir einfach nicht kassieren.« Klar, dass sein Gegenüber Hans Meyer, Ruttens Ziehvater aus gemeinsamen Zeiten vor gut zehn Jahren bei Twente Enschede meinte: »Wenn wir in Ballbesitz waren, waren wir nicht schlecht. Aber im Spiel gegen den Ball hat uns einiges gefehlt.«

Während Schalke durch den Sieg dafür sorgte, dass zumindest die Uefa-Pokal-Plätze noch in Sichtweite sind, kämpfen die Gladbacher um den Klassenerhalt. Hans Meyers Zielsetzung ist die, nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern zu müssen.

Die Frage, wie viele Punkte er bis zur Winterpause dazu noch brauche, beantwortete er so: »Ich spekuliere nicht mit Punkten, weil man ja nie weiß wie die Gegner spielen. Punktvorgaben überlasse ich lieber den Fans und den Wettern... oder auch Präsidiumsmitgliedern.«