Weshalb Griechenlands Fußball kriselt

Ausschreitungen, Korruption und Bedrohungen auf dem Spielfeld

Die Rivalität der großen Vier - PAOK, AEK, Olympiakos und Panathinaikos - prägt den nationalen Fußball. Allerdings hat auch die griechische Liga durch die Dominanz von Olympiakos mit 19 Meisterschaften aus den vergangenen 23 Spielzeiten an Attraktivität verloren. Die Zuschauerzahlen sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken, die griechische Superleague zählt mit rund 4000 Besuchern im Schnitt zu den am schlechtesten besuchten in Europa. Nur in den beiden letzten Spielzeiten ging es wieder bergauf, was an den Meisterschaften von AEK Athen und PAOK Thessaloniki liegen könnte.

Außerdem waren es Ausschreitungen zwischen Fans und Polizei, Korruptionsvorwürfe und Wettskandale, die die Schlagzeilen bestimmten. Ständig kam es zu Spielabbrüchen. Der kuriose und schockierende Höhepunkt im vergangenen Jahr: Ivan Savvidis, Präsident von PAOK Thessaloniki, lief im Spiel gegen AEK Athen mit Leibwächtern und einem Revolver am Gürtel aufs Spielfeld, um den Schiedsrichter nach einer Abseits-Entscheidung zu bedrohen. Der griechische Fußballverband unterbrach daraufhin vorübergehend den gesamten Spielbetrieb der beiden höchsten Profiligen.

Eine griechische Tragödie

Auch die wirtschaftliche Krise des Staates hat ihre Spuren im Fußball hinterlassen. Viele Vereine verloren ihre Spiellizenz für die erste Liga. Lediglich die großen Vier waren potent genug, einige wenige Transfers zu tätigen. Der Rest der Liga setzte auf ablösefreie Spieler. Und auch den Nachwuchsleistungszentren mangelt es an Geld, was sich wiederum auf die Nationalmannschaft auswirkt, in der junge Spieler bisher das Nachsehen hinter Routiniers hatten.

Nationaltrainer John van t’ Schip verspricht nun Besserung: »Wir brauchen einen Neustart und Spieler mit der richtigen Mentalität und den richtigen Qualitäten.« Der Niederländer wurde Ende Juli als neuer Mann an der Seitenlinie vorgestellt, ist bereits der vierte Trainer in vier Jahren. »Die Fans haben der Mannschaft schon seit einiger Zeit den Rücken gekehrt«, sagt er nach der Partie gegen Liechtenstein und ließ die Situation wie eine wahre griechische Tragödie klingen: »Wir haben den Punkt erreicht, an dem wir den Giftbecher leeren und von vorne anfangen müssen.« Angesichts der Zustände im griechischen Fußball dürfte er damit vor einer echten Herkules-Aufgabe stehen.