Weshalb Griechenlands Fußball kriselt

Eine wahre Tragödie

Die griechische Nationalmannschaft spielt gegen Liechtenstein nur Unentschieden und kann die Europameisterschaft im kommenden Jahr im Prinzip schon abhaken. Spätestens seit der verpassten EM 2016 steckt der griechische Fußball in einer tiefen Krise. Was ist passiert?

imago images

Wie ein 1:1 Griechenlands gegen Liechtenstein zu bewerten ist? »Die Nationalmannschaft kämpft sich zu einem lobenswerten Unentschieden gegen das Schwergewicht Liechtenstein. Mit dem positiven Ergebnis beenden die Griechen ihre Serie von vier Niederlagen in Folge.«

So kann man es auch sehen. Ein griechischer Fan hatte auf Twitter nur noch ironischen Spott übrig für das, was sich am Sonntagabend im Olympiastadion in Athen abspielte. Griechenland, der Europameister von 2004, kam gegen Liechtenstein nicht über ein Unentschieden hinaus - gegen das Land auf Weltranglistenplatz 182, das zuletzt 19 WM-und EM-Qualifikationsspiele in Serie verloren und seit fast drei Jahren kein Pflichtspieltor erzielt hatte.

Niederlagen gegen die Faröer Inseln und leere Stadien

Dass die Fans so spöttisch reagieren, liegt daran, dass sie in den vergangenen Jahren nicht von Enttäuschungen verschont wurden. Denn das Remis ist nur ein desaströser Auftritt ihrer Nationalmannschaft von vielen seit der Weltmeisterschaft 2014. Damals kamen die Griechen immerhin ins Achtelfinale und scheiterten dort schließlich im Elfmeterschießen an Costa Rica. Seitdem ist die Mannschaft katastrophal erfolglos. In der Qualifikationsgruppe für die Europameisterschaft 2016 landete Griechenland auf dem letzten Platz, nachdem sie beide Spiele gegen den Fußballzwerg von den Faröer Inseln verloren hatten. Und die Weltmeisterschaft in Russland im vergangenen Jahr verpassten die Griechen ebenso, wie sie nun auch an der EM im kommenden Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht teilnehmen werden. Fragt sich: Was ist aus dem griechischen Fußball geworden?

Feierten 2004 noch Zehntausende Griechen alleine in Deutschland den Europameistertitel, kamen zum Spiel gegen Liechtenstein nach offiziellen Angaben gerade einmal 3.500 Zuschauer ins Olympiastadion in Athen. Zur Veranschaulichung des Desinteresses an der Landesauswahl ein Zitat aus dem Liveticker des liechtensteinischen »Volksblatt«: »Inbrünstig hat der Stadionsprecher gerade die griechische Aufstellung geschmettert. Doch Stimmung mag wenig aufkommen. Im Prinzip könnte man jeden Besucher persönlich begrüßen.« Ein absurdes Bild: Das Athener Olympiastadion hat Platz für 75.000 Menschen, die Bevölkerung Liechtensteins würde zweimal hineinpassen.


Eine traurige Kulisse: Die offizielle Zuschauerzahl im Athener Olympiastadion lag bei 3.500. Liechtensteiner Reportern zufolge waren es sogar deutlich weniger. (Foto: imago images)

15 Bücher

15 Bücher

Feinde des Sports