Werders Pokalsensation

Nein! Doch! Oh!

Das man das als Werder-Fan noch erleben darf: Bremen gewinnt gegen Borussia Dortmund und steht überraschend im Pokal-Viertelfinale. Für unseren Autor ist der Winter damit vorbei.

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Ganz bestimmt gibt es unter den vielen Millionen 11FREUNDE-Lesern auch Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die mit den letzten Sommertagen fröhlich lachend ihre Taschen packen, um von September bis April ihr Strandhaus auf den Malediven zu beziehen und zu Weihnachten Postkarten verschicken, auf denen sie in kreischbunten Bermudashorts und roten Nikolausmützen am Strand liegen.

Die Fans eines Vereins sind, der im Schnitt vielleicht fünfmal pro Saison verliert und dessen hochbegabte Superstars mindestens alle zwei Jahre einen Pokal in die Höhe stemmen, um anschließend selbst auf die Malediven zu verschwinden. Wenn es dann doch mal regnet, oder sich die Sonne für wenige Stunden hinter die Wolken verzieht, wenn der eigene Verein tatsächlich mal völlig überraschend Punkte gegen Fortuna Düsseldorf verliert oder aus dem Pokal fliegt, dann juckt das diese Glücklichen nicht allzu doll. Ihr Vorrat an Sonnenstrahlen und Erfolgserlebnissen ist grenzenlos.

Der letzte große Moment war der Klassenerhalt

Nun wird es aber vermutlich den meisten Lesern anders ergehen. Sie werden wie der Autor dieser Zeilen mit Ach und Krach den deutschen Januar überstanden haben und jeden Morgen traurig mit einem Kaffee in der Hand auf den Balkon schauen, der etwa seit September keine Sonne mehr gesehen hat, dabei sehnsuchtsvoll an den Sommer, steigende Temperaturen und kreischbunte Bermudashorts denkend.

Sie werden Anhänger eines Fußballvereins sein, der vielleicht schon mal große Zeiten erlebt hat und damit für viele wunderbare Erfolgs- und Glücksmomente sorgte, aber das ist sehr lange her und die Gedanken daran machen nur noch miesmuscheliger, weil man da eine unbeschwerte Rotznase war oder als knackiger Student durchs Leben schwofte. Die Gegenwart sieht so aus: der scheiß Winter will einfach nicht aufhören, knackig und unbeschwert war vorvorgestern und der letzte große Moment des eigenen Vereins hatte mit einem in letzter Sekunde verhinderten Abstieg zu tun.

So weit weg wie die Malediven von Niedersachsen

Womit wir, endlich, beim SV Werder Bremen wären. Der stand bekanntlich am gestrigen Abend im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund, jene vom Schweizer Trainerfuchs Favre aufgemöbelte Rennmaschine, gegen die der SV Werder wie ein gut gepflegter Audi 80 rüberkommt. Sicher, Werder Bremen hatte in der jüngeren Vergangenheit schon miesere Spielzeiten und die aktuelle Mannschaft von Florian Kohfeldt hat in der laufenden Saison schon für einige hübsche Farbtupfer gesorgt.

Aber die ganz großen Weihnachteninbermudashortsverbringenden Momente auf der Sonnenseite des Fußballfan-Daseins? Waren vor dem Anpfiff so weit weg wie die Malediven von Niedersachsen.