Werder verliert 0:0 gegen Famagusta

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Das maue 0:0 des SV Werder Bremen gegen den zyprischen Außenseiter Anorthosis Famagusta zeigt: Es ist ein gefährlicher Kader, den sich Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs da zusammengestellt haben. Werder verliert 0:0 gegen FamagustaImago Es war eine schöne Abwehraktion des Bremer Stürmers Boubacar Sanogo. Energisch stellte er sich dem Gegner in den Weg, blockte den Pass und ließ seinen Konkurrenten auch noch gegen die Brust prallen. Das Unglückliche an dieser Situation war nur, dass Sanogos Gegenspieler das gleiche Leibchen trug wie er, auf dem Rücken stand der Name »Diego«. Der Ball kullerte ins Seitenaus, Diego schüttelte den Kopf.

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Sanogo war eingewechselt worden bei diesem 0:0 von Werder Bremen gegen Anorthosis Famagusta - und seine Aktion in der 67. Spielminute ist stellvertretend für die Leistung der Bremer an diesem Abend. In jeder Statistik war der Gastgeber seinem Gegner überlegen, nur nicht in den Toren. »Diese Zahlenspiele kennen wir natürlich, und trotzdem stimmt das Ergebnis nicht«, sagte Thomas Schaaf nach dem Spiel. »Ich hatte das Gefühl, dass wir uns zu sehr darauf verlassen, dass das Tor wie am Wochenende schon irgendwann fällt.« Das Tor fiel jedoch nicht, und so konnte Bremen auch die fünfte Auftaktpartie in der Champions League in Folge nicht gewinnen.

In der Tat ähnelte das Spiel gegen Famagusta der Bundesliga-Partie gegen Cottbus. Die Zyprer standen ebenso kompakt und tief, verteidigten jedoch nicht nur stur, sondern starteten gelegentliche Entlastungsangriffe, die durchaus zu einem Treffer hätten führen können. So schoss Paulo Costa in der ersten Halbzeit knapp über das Bremer Tor, fünf Minuten nach Wiederbeginn prüfte der eingewechselte Hawar Taher Bremens Torhüter Tim Wiese mit einem Flachschuss.

Freilich war Bremen die bessere und spielbestimmende Mannschaft, hin und wieder waren gar strukturierte Spielzüge zu bestaunen. In der 24. Minute konnten Mesut Özil und Claudio Pizarro eine Flanke von Clemens Fritz nicht verwerten. Sebastian Boenisch traf mit einer verunglückten Flanke die Latte und kurz darauf mit einer geglückten Hereingabe Pizarro. Der verpasste den Ball ebenso wie kurz vor der Halbzeit, als er freistehend vor dem Torhüter ein sehenswertes Luftloch produzierte.

Die Bankenkrise

Wer nach der Pause auf den Spielberichtsbogen sah, der erkannte das Dilemma, in dem sich Thomas Schaaf in dieser Saison befindet. Lange Zeit hieß es in Bremen, dass Schaaf gerade in der Offensive nicht auswechseln muss, sondern nachladen kann. Nun aber saßen auf der Bank der dauerkriselnde Stürmer Sanogo, das Immer-noch-Talent Hugo Almeida, die Verteidiger Petri Pasanen und Sebatian Prödl, Dauerläufer Jurica Vranjes und das Auch-immer-noch-Talent Martin Harnik. Zur Erinnerung: Bis auf Frank Baumann war kein Spieler verletzt.

Wen hätte Thomas Schaaf in diese Partie einwechseln können, der entweder ein kreatives Moment einführt oder so ein Feuer entfacht, dass die Holzpfeiler im Weserstadion in Gefahr gewesen wären? Da draußen jedenfalls saß keiner. So ist Clemens Fritz auf der rechten Außenbahn trotz seines Nach-EM-Spiel-eins-Lochs ohne Konkurrenten, auch Sebastian Boenisch durfte trotz durchwachsener Leistung durchspielen. Daniel Jensen konnte sich so durch die 90 Minuten stehlen, dass auch nicht aufgefallen wäre, wenn er sich irgendwann an die Seitenlinie gesetzt und einfach nur zugesehen hätte. Da war es für Torsten Frings und Diego - die beiden Spieler in Normalform - schwer, Struktur ins Spiel zu bringen und einen taktisch sehr gut eingestellten Gegner in Verlegenheit zu bringen.

Schaaf wechselte nur zwei Mal aus, den unglücklich agierenden Sturm Rosenberg/Pizarro ersetzte er durch den noch unglücklicher agierenden Sturm Almeida/Sanogo. Heraus kam eine zerfahrene zweite Halbzeit und am Ende ein 0:0, über das Werder-Manager Allofs sagte: »Wir haben 0:0 verloren, wir sind einfach nicht druckvoll genug. Das geht so nicht, so kann man international nicht spielen.«

Es ist ein gefährlicher Kader, den sich Schaaf und Manager Thomas Allofs für diese Saison zusammengestellt haben. Einen wirklichen Kampf um die Stammplätze gibt es nicht, die Stammspieler müssen fit und in guter Form sein, um gegen Mannschaften wie Bayern München (Bundesliga) oder Inter Mailand (Champions League) bestehen zu können.

Per Mertesacker sagte nach dem Spiel: »Vielleicht hat uns auch ein Schuss Qualität gefehlt.« Er hat die Leistung gegen Famagusta gemeint. Er könnte aber auch die Saison angesprochen haben, die da auf die Bremer wartet.