Wer war Emil Walter?

Der Barca-Star, den keiner kannte

Emil Walter war einer der besten Spieler, die der FC Barcelona je hatte. Warum kennt hierzulande niemand den Kaufmann aus Pforzheim? 

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Als Emil Walter an den Ort zurückkehrt, an dem er zum Fußballgott wurde, bekommt das in seiner Heimat kaum jemand mit. Der »Spiegel« macht Ende März 1950 mit einer Titelgeschichte über den deutschen Radrennfahrer Gustav 

Kilian auf, und aus Nürnberg berichtet das »Sport-Magazin« über »Fürths großartige System-Umwandlung« und Schalkes neue Hoffnung Herbert Sandmann. 

In Barcelona empfangen, wie niemand zuvor

Währenddessen liegen sich etwa 1500 Kilometer südlich, in Barcelona, die Menschen taumelnd in den Armen. Einige weinen vor Freude, andere winken oder verneigen sich. Tausende säumen die Straßen, die Polizei muss Wege und Kreuzungen absperren, damit Emil Walter überhaupt zum Stadion kommt, wo weitere 40 000 Fans auf ihn warten.

Im Camp de Les Corts trifft der FC Barcelona am 26. März auf den Stadtrivalen von Espanyol, es ist Walters Ehrenspiel, der Klub hat es anlässlich seiner Rückkehr angesetzt. Walter, mittlerweile 50 Jahre alt, wird den Anstoß ausführen. Einen Tag später jubelt eine lokale Zeitung: »Spanien hat einen Mann empfangen, wie noch kein Fußballer der alten Generation jemals von einer Stadt, einem Verein, einem ganzen Land empfangen wurde.« 

Der Mann mit der Pferdelunge

Die Fans des FC Barcelona sagen heute, Emil Walter sei einer der besten Spieler gewesen, die jemals das blau-rote Trikot getragen haben. Zwischen 1924 und 1933 kam er in hunderten Spielen für den Klub zum Einsatz. Er holte mit dem FC Barcelona 1929 die erste Meisterschaft überhaupt und nahm die Goldmedaille von König Alfons XIII. in Empfang.

Er gewann dreimal die Copa del Rey, und am Ende seiner Zeit führte er Barça als Kapitän auf den Rasen. Sie nannten ihn Emilio. Er war der Mann mit der Pferdelunge. Der Mann, der sich von Pforzheim auf den Weg nach Spanien gemacht hatte, um im Eisenwarenhandel zu arbeiten, und ganz nebenbei, so schrieb eine spanische Zeitung, »die Herzen der Fußballfans aus Barcelona im Sturm eroberte«. 

In Deutschland nur eine Fußnote

Im Museum des FC Barcelona kann man Bilder von Walter bestaunen, er taucht in einer »Hall of Fame« neben Maradona oder Cruyff auf. »Er war ein Idol der zwanziger Jahre«, sagt Klubhistoriker Carles Santacana. »Nach dem Krieg haben wir einen Hilfsfond für ihn eingerichtet. Der Verband schickte ihm Essen.« In der deutschen Fußballgeschichtsschreibung ist Walter hingegen eine Fußnote, nichts weiter.

Selbst in Pforzheim kennen ihn nur noch wenige. Es gibt keine Straße und kein Stadion, die nach ihm benannt sind. Kein bronzener Fußabdruck, keine Büste schmücken die Stadt. Es soll mal ein Jugendturnier unter dem Namen Emil-Walter-Cup stattgefunden haben, und das war es eigentlich. Warum nur ist das so?