Wer verdient an der EM?

Schweizer Raupe Nimmersatt

Mit der XL-EM in Frankreich macht die Uefa den großen Reibach, die Einnahmen erreichen Rekordniveau. Doch was hat Gastgeber Frankreich davon? Erschreckend wenig.

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1,9 Milliarden Euro. Was Länder wie Bhutan oder Lesotho in einem Jahr erwirtschaften, verdient die Uefa dieser Tage in vier Wochen. Die EM in Frankreich ist nicht nur die größte, sondern auch die mit Abstand lukrativste Endrunde der Verbandsgeschichte. 2012, beim Turnier in Polen und der Ukraine, waren es noch 1,4 Milliarden Euro.

Die Gründe liegen auf der Hand: Der mittlerweile gesperrte Verbandsboss Michel Platini blähte das Turnier zur Freude der kleineren – und bei der Präsidentenwahl stimmberechtigten – Nationen von 16 auf 24 Teams auf. Statt 31 (2012) werden in Frankreich 51 Partien ausgetragen, also 20 zusätzliche Spiele, für die Übertragungsrechte und Eintrittskarten verkauft werden können.

Zehnmal mehr TV-Erlöse als die Copa América

Allein der Preis für die weltweite TV-Vermarktung summiert sich auf etwa eine Milliarde Euro, wie die Uefa letztes Jahr kalkulierte. Zum Vergleich: Der südamerikanische Dachverband Conmebol erlöst bei der parallel stattfindenden Copa América, dem Pendant zur EM, gerade einmal zehn Prozent dieser Summe mit Fernsehrechten.

Auch in den Bereichen Ticketing und Sponsorship ist die Uefa den anderen Kontinentalverbänden enteilt: Mit 400 Millionen Euro werden die prognostizierten Werbeeinnahmen bei der EM angegeben; ein Ergebnis von mehr Spielen, mehr TV-Zeit, mehr Präsentationsflächen für die global agierenden Unternehmen. Hinzu kommen weitere 500 Millionen Euro, die Fans und Ehrengäste für Karten ausgeben.

In Summe: 1,9 Milliarden Euro. Erwirtschaftet mit einem Turnier, das auf französischem Boden ausgerichtet wird. Ein großer Reibach für die Uefa. Und Frankreich?