Wer steigt ab, wer nicht?

Peng! Du bist tot!

Borussia Mönchengladbach hat sich als FC Bayern verkleidet, derweil verliert Eintracht Frankfurt 0:5 im eigenen Stadion. Was ist bloß im Keller los? Wir prüfen die Abstiegskandidaten – und sagen, wen es am Ende wirklich erwischt. Wer steigt ab, wer nicht?Imago 13. Eintracht Frankfurt, 33 Punkte, 37:55 Tore

»Eintracht muss zittern« behauptet der SID, alles Käse, behaupten wir. Sechs Punkte Vorsprung auf Bielefeld und Cottbus, die am nächsten Spieltag in Dortmund bzw. Stuttgart antreten müssen, dazu ein passables Torverhältnis: Was soll der Eintracht noch passieren? Und das nach einer Saison, die aus Eintracht-Sicht genauso ermüdend und stellenweise erschreckend war wie die Berichte über die Finanzkrise aus der Bankenstadt.

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Gefühlt steht die Eintracht auf einem Abstiegsplatz, aber in Wirklichkeit hat sie sich derart gut in der Bundesliga etabliert, dass sie auch nach dieser Gurkensaison in Ruhe für ein weiteres Erstligajahr planen kann. Wäre da nicht diese merkwürdige Parallele zum Abstiegskampf von vor zehn Jahren. Fünf Punkte Vorsprung und ein deutlich besseres Torverhältnis konnte der 1. FC Nürnberg nach dem 32. Spieltag auf einen Abstiegsplatz vorweisen und feierte nach einem Sieg gegen die Bayern schon den Klassenerhalt. Wie das Drama ausging und wer die Clubberer noch abfing, ist hinlänglich bekannt.


14. Borussia Mönchengladbach, 30 Punkte, 38:56 Tore

Es scheint, als sei Hans im Glück. Der 31. Spieltag, 90. Minute, Nachspielzeit im Borussia-Park: Der eingewechselte Oliver Neuville legt den Ball mustergültig dem Israeli Colautti auf. Der Angreifer, der bis dato in 20 Spielen für die Borussia nichts Zählbares zustande gebracht hatte, zieht trocken ab und lässt Manuel Neuer im Schalke-Tor keine Chance – 1:0, Sieg, Wahnsinn, die Nordkurve bebt.

Drei Tage später, 32. Spieltag, 90. Minute, Nachspielzeit im Stadion der Freundschaft zu Cottbus: Der eingewechselte Marko Marin tritt eine Ecke von der rechten Seite auf den langen Pfosten, 2,5-Millionen-Winter-Einkauf Dante steigt höher als die Cottbuser Abwehrrecken und netzt die Kugel ein – 1:0, Sieg, unfassbar, die mitgereisten Borussen-Anhänger flippen aus.

Zwei Breakbälle, würde man im Tennis sagen, haben die Gladbacher bereits verwandelt nun soll der Matchball folgen. War es Glück oder eine Hans-Meyer’sche Eingebung? Denn nach dem Dusel-Sieg gegen Schalke wollte der Trainerfuchs sein Geld auf die Fohlen setzen und gab der versammelten Presse einen Tipp: »Bei der beschissenen Weltwirtschaftslage sollte man ja kein eigenes Geld verwetten. Wer aber auf Gladbach setzt, macht es auf alle Fälle richtig.«

Inzwischen glauben wir »Hans im Glück« im Recht. Seine Wintertransfers schlugen ein, seine Einwechslungen brachten, zumindest in den letzten beiden Partien, Erfolg. Und nun steht da der 14. Platz, drei Punkte Vorsprung und das beste Torverhältnis aller Leidensgenossen im Tabellenkeller. Es scheint alles auf Klassenerhalt hinzudeuten. Zumal das Restprogramm, mit einem gefühlten Heimspiel beim rheinischen Nachbarn in Düsseldorf gegen Leverkusen und im Borussen-Duell gegen Dortmund, machbar erscheint. Wir wünschen jedenfalls alles Gute und viel Spaß im nächsten Jahr – im Oberhaus des deutschen Fußballs.


15. VfL Bochum, 28 Punkte, 36:54 Tore

Die »graue Maus« der Liga, die »Unabsteigbaren«, der »Rekordwiederaufsteiger« – alles Namen, die sich der VfL Bochum über die Jahre in der Bundesliga »erspielt« hat. Und auch in der aktuellen Saison muss Trainer Marcel Koller sein Team durch die Irrungen und Wirrungen des Abstiegskampfes leiten. Der Grund ist denkbar einfach: Ein Knipser wie Theofanis Gekas fehlt. Denn Stanislav Sestak und Winter-Hoffnung Diego Klimowicz kommen auf lediglich elf Treffer in der laufenden Saison.

Dazu kommen fünf Niederlagen in Serie – erschreckend schwache Auftritte, das fehlende Quäntchen Glück. Marcel ist nun mal nicht Hans.
Der Gedanke, der die Revierler nach dem 27. Spieltag und dem 3:0-Sieg gegen Herbstmeister Hoffenheim geritten hat, war wohl: »Ach, es sind fünf Punkte Abstand auf den vermaledeiten 16. Platz – da brennt nichts mehr an.«

Die Jungs in Blau und Weiß scheinen sich, zu früh ins gemachte Nest gesetzt zu haben. Nun steht da nur noch ein mickriges Pünktchen Puffer auf den Schlund, der die 2. Liga bedeutet. Doch eine Resthoffnung bleibt: das Restprogramm. Mit dem Heimspiel gegen Frankfurt und der Tour in die Karnevals-Hauptstadt nach Köln blicken Maltritz und Co. auf die leichtesten Aufgaben der »Wochen der Wahrheit« voraus. Und so können sie sich wohl am 23. Mai die vorgedruckten Shirts mit einer Aufschrift wie »Die Unabsteigbaren« schmücken und zusammen mit dem Tollhaus Köln den Klassenerhalt feiern. 

16. Arminia Bielefeld, 27 Punkte, 27:48 Tore

Michael Frontzeck unter Beschuss – und das nicht erst seitdem die Arminia am 29. Spieltag auf den Relegationsplatz 16 abgerutscht ist. Die Fans fordern schon seit geraumer Zeit den Kopf des ungeliebten Fußballlehrers. Worauf diese Unzufriedenheit zurückzuführen ist, bleibt fraglich. Denn Ansprüche, im gesicherten Fahrwasser der Liga zu schwimmen, können die Arminen mit dem vorhandenen Spielerpotential nicht stellen. Sich einzig und allein auf die Torjägerqualitäten ihres Kronjuwels Artur Wichniarek und die Schnapper-Künste ihrer Nummer eins Dennis Eilhoff zu verlassen, ist zu wenig.

Gut, acht Wichniarek-Tore in den ersten elf Spielen sprechen für sich und ließen dann auch tatsächlich einige Irrgeister vom beruhigenden Mittelfeldplatz träumen. Doch spätestens seit der Anfang Februar anhaltenden Flaute beim polnischen Angreifer muss den Fans auf der Alm klar sein: Das Ziel heißt »Klassenerhalt 2009«. 27 Tore haben die Bielefelder nur zustande gebracht - zur Erinnerung: Wichniarek hat alleine zwölf erzielt - und ist damit genauso harmlos wie Cottbus und nur sechs Treffer besser als Schlusslicht Karlsruhe.

»Jetzt geht es darum, den Relegationsplatz zu zementieren. Das wollten wir gerne vermeiden, aber wenn es schlecht läuft, ist es eben der Rettungsanker«, musste Klub-Chef Hans-Hermann Schwick nach der Pleite gegen Hoffenheim konsterniert feststellen. Und darauf wird es wohl hinauslaufen. Ein Auswärtsspiel beim BVB und das Heimspiel gegen Hannover stehen noch auf Frontzecks Zettel. Wenn am 23. Mai um ca. 17:15 Uhr der 16. Platz steht, kann sich Frontzeck auch von dem »Schlag, der richtig weh tut« erholen, als sein Team sich den glücklicheren Hoffenheimern geschlagen geben musste, und dem ersten Relegationsspiel der Bundesliga seit der Saison 1990/91 entgegen fiebern.


17. Energie Cottbus, 27 Punkte, 27:55 Tore

Zwei Heimniederlagen hintereinander, da nützte auch der Sieg gegen Tabellenführer Wolfsburg nichts mehr. Um das Lieblingskind der deutschen Politik steht es ähnlich schlecht wie um die große Koalition: Es drohen Auflösungserscheinungen. Zwar hat Energie nur einen Punkt Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz, doch lässt das Restprogramm der Lausitzer nichts Gutes erahnen. In Stuttgart wird es kaum ein zweites Begrüßungsgeschenk geben, und wenn sie im letzten Spiel auf Leverkusen treffen, könnte Bochum schon davon gezogen sein.

Es wäre schade um einen Club, der aus seinen Möglichkeiten seit Jahren das Maximale und noch viel mehr als das herausholt. Dass, obwohl Cottbus in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschland liegt und bei weitem nicht auf eine Tradition zurück blicken kann, wie es andere Klubs aus den neuen Bundesländern können. Welchen Anteil Trainer Prasnikar an der momentanen Situation hat, ist unklar. Letztes Jahr belebte der Slowene eine Mannschaft, die klinisch längst als tot bezeichnet wurde. Diese Saison lief es dagegen weniger prächtig: Die Spieler waren nicht fit, beklagten sich über zu hartes Training und ließen häufig den nötigen Teamgeist vermissen. In der nächsten Saison wird Cottbus wohl nicht mehr im Olympiastadion spielen, sondern stattdessen in der alten Försterei, denn seit 1997 wechselt Energie durchgehend alle drei Jahre die Spielklasse. Nach drei Jahren Bundesliga bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als abzusteigen.


18. Karlsruher SC, 23 Punkte, 23:53 Tore


Ein tiefer Griff ins Phrasenschwein offenbart die Wahrheit, dass das zweite Jahr immer schwerer als das erste ist. Wie wahr diese Phrase doch ist, bekommt der KSC in dieser Saison schmerzlich zu spüren. Auf den überraschend offensiven Kombinationsfußball der Auftaktsaison haben die Zuschauer 2008/2009 vergeblich gehofft. Mit Eggimann und Hajnal wurden zwei tragende Säulen des Teams abgegeben, die auch durch die verzweifelte Rückholaktion von verdienten Alt-KSClern  nicht ersetzt werden konnten.

Dass es auch noch jener Eggimann war, der mit Hannover im Wildpark siegte und damit die Weichen auf das Abstiegsgleis stellte, passt ins Bild einer verkorksten Saison. Es ist nur sehr, sehr schwer vorstellbar, dass das Team von Ede Becker während der Bremer Festtage etwas Zählbares von der Weser mitnehmen kann. Spätestens am Wochenende wird die Rückkehr in Liga 2 besiegelt sein. Dass Ede Becker die Mannschaft auch in der nächsten Saison weiter trainieren darf und während der gesamten Spielzeit nicht einmal ernsthaft in Frage gestellt wurde, gleicht einem modernen Fußballmärchen, das man in Zeiten, in denen Trainer entlassen werden, weil der Anzug nicht richtig sitzt, nicht mehr für möglich gehalten hätte. Wir werden den maroden Wildpark vermissen und wünschen viel Erfolg in der 2. Liga.