Wer spielt jetzt in der Verteidigung?

Tah erinnert Löw an Boateng

Der Underdog: Emre Can

Nachdem Emre Can 2014 zum FC Liverpool wechselte, wurde aus dem zentralen Mittelfeldspieler plötzlich ein Verteidiger. Zunächst spielte Can in der Innenverteidigung der »Reds«, dann lief der Ex-Leverkusener plötzlich als Außenverteidiger auf - und genau als eben solchen sieht ihn auch Bundestrainer Löw. In der EM-Qualifikation bot er Can zweimal als Rechtsverteidiger auf, vergangenen Samstag im Härtetest gegen Ungarn dann als Linksverteidiger.

Genau das spricht allerdings aktuell nicht gerade für Emre Can. Löw sieht in ihm momentan den ersten Hector-Ersatz für die linke Abwehrseite. Rechts haben Höwedes und Kimmich die Nase vorn, in der Mitte setzt der Bundestrainer vermutlich auf gestandene Innenverteidiger.

Stammspieler-Chancen: 25 Prozent

Der Durchstarter: Jonathan Tah

Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass der Bundestrainer auf einen 20-jährigen Innenverteidiger setzt, der die komplette Vorbereitung verpasst hat und stattdessen unter anderem eine Safari-Tour durch Hodenhagen gemacht hat. Im DFB-Kosmos ist bekanntlich aber nichts unmöglich.

Auf der Pressekonferenz am Mittwochmittag sagte Löw über Jonathan Tah: »Er hat seit drei Wochen individuell trainiert. Das erlaubt uns, ihn innerhalb von wenigen Tagen in einen Zustand zu bringen, dass er spielen kann.«

Tah kommt also keinesfalls nur als Sparringspartner für die arrivierten Kräfte zur Nationalmannschaft. Zumal der Leverkusener mit einer beeindruckenden Empfehlung anreist: Gleich in seiner Debütsaison lief Tah 45 Mal für die Werkself auf. In der Bundesliga gewann er laut Statistik-Anbieter »inside11« 62 Prozent seiner Zweikämpfe und spielte nur 23 Fouls. Starke Werte für einen Innenverteidiger.

Im März feierte Tah außerdem im Testspiel gegen England sein Länderspieldebüt. Der Bundestrainer sagte damals jedoch, Tah habe zwar sehr gute Anlagen, müsse aber noch einiges dazulernen. »Ähnlich wie es bei Jerome Boateng in seinem Alter war«, so Löw.

Stammspieler-Chancen: 5 Prozent

Vielleicht überrascht Joachim Löw aber ja auch mit einer ganz anderen Variante? Beispielsweise mit Sami Khedira in der Innenverteidigung. Oder doch mit einer defensiven Dreierkette. Bis Sonntag dürfen Fans und Experten noch munter über die Formation der Abwehrkette spekulieren. Spätestens dann wird Joachim Löw zeigen, welche vier Spieler er zur »Kette der Nation« macht.