Wer ist U21-Star John Guidetti?

Killer-Bienen und Mariah Carey

Guidetti ist ein breitschultriger Strafraumspieler alter Schule, der zudem über eine feine Schusstechnik verfügt. Allerdings wirkten seine Auftritte auf der Insel mitunter wie aus der Zeit gefallen. Paul Brennan von der Seite »Celtic Quick News« sagt über ihn: »Zu einem Großteil der Saison sah er wirklich schlecht aus. Die Erwartungen waren sehr hoch, nachdem er zum Start sehr viele Tore nach Standardsituationen erzielt hatte. Aber als die Ecken und Freistöße nachließen, wurde seine fehlende Beweglichkeit im Spiel überdeutlich.«

In Glasgow fiel Guidetti zuletzt eher außerhalb des Platzes auf, indem er einen Schmähgesang gegen die Rivalen Rangers im Fernsehen rezitierte. In Schottland sorgte das Video für reichlich Gesprächsstoff, Verbände forderten daraufhin eine Schulung für Profifußballer. Mit derlei Petitessen hält sich Guidetti nicht lange auf, die schottische Liga sei sowieso viel zu klein für ihn.

Killer-Bienen und eine Viruserkrankung

Trotz all der markigen Sprüche und des extrovertierten Auftretens beweist Guidetti immer wieder seine Selbstironie und Demut. In seiner Kindheit lebte er in Kenia und spielte dort barfuß auf einem Bolzplatz. Im schwedischen TV erzählte er: »Einmal legten sich alle während des Spiels auf den Boden und riefen: ›Killerbienen, Killerbienen!‹ Ich verstand nicht, was sie meinten, doch dann kam ein Schwarm, so groß, dass der Himmel schwarz wurde.«

Guidetti bezeichnet Kenia immer noch als »das schönste Fleckchen Erde«. Er besucht seine frühere Mannschaft in den Sommerpausen und engagiert sich in einer Stiftung für Afrika.

»Ich lebe am Limit«

Auf der Party anlässlich seines 20. Geburtstags vergiftete er sich, als er ein Stück Hähnchen aß. In der Folge klagte er über Bauchschmerzen und konnte eine Woche später sein Bein nicht mehr bewegen. Die seltene Viruserkrankung führte dazu, dass Guidetti acht Monate lang nicht Fußball spielen konnte. Als er sich erholte, spielte er wieder im Reserveteam von Manchester City, wo er nach Belieben traf. Auf die Frage, ob er heute noch Hähnchen esse, sagte er: »Na klar, ich lebe am Limit.«

Der »Guardian« berichtete von einer Anekdote in Stockholm während des diesjährigen Champions-League-Finales. Dort traf ein achtjähriger Junge auf dem Nachhauseweg auf Guidetti und fragte ihn, ob er Lust habe zu kicken. Guidetti soll dem Jungen gesagt haben: »Jetzt schaue ich mir das Finale an. Aber wenn du später noch wach bist, können wir danach spielen.« Der Junge hielt sich wach und lief nach dem Finale zum Bolzplatz. Guidetti wartete dort bereits auf ihn.

George Michael als Inspiration

In Rotterdam, in Glasgow und auch in Manchester heben Fans und Trainer immer wieder hervor, welch positiven Effekt Guidetti mit seiner offenen, humorvollen Art auf das Mannschaftsgefüge hatte. So rappte er in aller Öffentlichkeit schwedische Songs, intonierte »Ghetto Superstar« und gar Mariah Careys Schmachtfetzen »All I want for Christmas is you«. Auf dem Youtube-Kanal von Manchester City trällerte er auch »Last Christmas« und bekannte dazu mit einem Lächeln: »Das ist eine echte Liebesgeschichte. Ich höre den Song vor jedem Spiel, um in den Rhythmus zu kommen.«

Guidetti schont weder andere noch sich selbst. Er bleibt jemand für die großen, manchmal auch überdrehten Gesten. Nach dem Finale von Prag setzte er sich Perücken auf und trug riesige aufblasbare Plastikhände. Dann hielt er ein Transparent der Fans in die Kameras: »No Guidetti – No Confetti.«