Wer ist Schwedens Sturmstar John Guidetti?

Verliehene Zukunft

Er gilt als schwedischer Wayne Rooney und Thronfolger Zlatan Ibrahimovics. Dabei wäre sein Karriere fast schon vorbei gewesen. Wegen eines Hühnchens.

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Dieser Typ ist nicht ganz normal. Das beginnt schon bei seinem Namen: John Alberto Fernando Andres Luigi Olof Guidetti. Und dann rufen sie ihn auch noch »The Swedish Wayne Rooney«. Weil Guidetti der Statur der United-Ikone entspricht. Und seiner Art, Fußball zu spielen. Ein bisschen kraftmeierisch. Trotzdem technisch beschlagen. Und in Sachen Einsatz immer so sehr auf dem Gaspedal stehend, dass man meinen könnte, der Drehzahlmesser sei falsch geeicht und Guidetti längst im roten Bereich.

Tatsächlich zeigen seine vielen Namen vor allem das reichhaltige Erbe an, das in Guidetti weiterlebt. Die Eltern seines Vaters stammen aus Italien und Brasilien. Nicht die schlechtesten Gene für einen Fußballer. Geboren und aufgewachsen in Stockholm. Mit sechs Jahren geht er zu IF Brommapojkarna, gleich in der Nachbarschaft. Dann folgen mit Mathare United F.C. und Ligi Ndogo S.C. Klubs in Kenia. Sein Vater Mike leitet dort Schulprojekte, nimmt den Sohn mit. Der vertreibt sich die Zeit mit: Fußball, Fußball, Fußball. Lernt sich auf den staubtrockenen Plätzen Nairobis zu behaupten. Passt sich dem von der Athletik geprägten, afrikanischen Fußball an. Im Rückblick, so Guidetti, habe ihn nichts so sehr geformt wie diese mehrmonatigen Aufenthalte in Kenia. Fußballerisch und menschlich. Später füllt er das Andenken mit Leben. Gründet eine Stiftung, die sich der Talent-Förderung verschrieben hat.


Screenshot Afdonbladet.se (http://www.aftonbladet.se/sportbladet/fotboll/landslagsfotboll/emkvalet/...)

Zurück in Schweden schließt er sich erneut Brommapojkarna an. Schnuppert an der ersten Mannschaft, die zu dieser Zeit als Talenteschuppen gilt und in der Saison 2007/08 überraschend den Aufstieg in die erste Liga schafft. Mit dabei: Miiko Albornoz, heute bei Hannover 96 und Albin Ekdal, heute beim HSV. Guidetti kommt auf zwei Kurzeinsätze. Mit 15. Lässt selbst dabei erkennen, was für eine Talent in ihm schlummert. Und wird von Landsmann Sven-Göran Eriksson zu Manchester City gelotst.

Er besucht die Academy des Klubs, beginnt für die U18 und die Reserve-Mannschaft der Citizens zu spielen. Und trifft und trifft und trifft. 13 Tore in 13 Spielen für das Junioren-Team, drei Tore in vier Spielen für die »Reserves«. Schnell wird klar, dass dieser Rohdiamant in Nachwuchsteams verschenkt ist. Der Junge braucht Spielpraxis auf höchstem, auf Männer-Niveau. Zunächst geht er für eineinhalb Monate zurück nach Schweden, heim zu Brommapojkarna. Kommt auf sieben Torbeteiligungen in acht Spielen. Zu viel für Manchesters neuen Trainer Roberto Mancini. Er beordert Guidetti zurück, plant ihn für die erste Mannschaft ein. Doch an Carlos Tevez, Mario Balotelli, Edin Dzeko und Emmanuel Adebayor ist für den inzwischen 18 Jahre alten Schweden kein Vorbeikommen.