Das volle Programm zur WM in Russland
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Wer ist Schuld am WM-Aus?

Schleicher und Frösche

Löw? Özil? Fehlende Führungsspieler? Nach dem WM-Aus ist das Land auf der Suche nach Schuldigen. Doch wie haltbar sind die Anklageschriften? 

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Mesut Özil

Ist so etwas wie der Quotenschuldige. Wann immer es nicht läuft bei der deutschen Mannschaft zeigen Millionen Mittelfinger in seine Richtung: Der da war’s! An ihm hat es gelegen! Allein diese Körpersprache! Dass bereits Norbert Elgert, Özils Jugendtrainer beim FC Schalke 04, sagte: »Mesut war schon immer ein Spieler, der sich frei schleicht. Der sich zwischen den Linien anbietet, ohne dass seine Gegenspieler es mitbekommen«? Was weiß der schon! Der Mann, der Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Julian Draxler, Leroy Sané und und und entdeckt hat. Der weiß sicher nicht so viel, wie all jene, die Özil mal alle paar Monate in einem Länderspiel sehen. Und überhaupt: Die Experten sehen es doch genauso! Also vor allem jene Ex-Fußballer, die als Trainer gescheitert sind, die es zumeist nicht einmal auf Amateurniveau schaffen, einer Mannschaft eine Spielidee zu vermitteln. So sie denn eine haben. Die aber, wie etwa Mario Basler, verstanden haben: »Özil hat eine Körpersprache wie ein toter Frosch.« Da die Körpersprache des Fußballspielers Mario Basler natürlich immer über alle Zweifel erhaben war, hier ein wenig Statistik. Basler: 30 Länderspiele, zwei Tore, sieben Vorlagen. Özil: 92 Länderspiele, 23 Tore, 40 Vorlagen. Überhaupt wird man nicht viele Spieler in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft finden, die eine bessere Statistik vorweisen können als Özil. Ebenso wird man wenige deutsche Spieler finden, über die internationale Topstars, Spieler wie Trainer, so sehr ins Schwärmen geraten wie den Mann, den sie in England schlicht »Magier« nennen. Schön und gut, mögen die Kritikaster nun einwenden, aber in den wichtigen Spielen! Gegen Südkorea! War Özil, Überraschung, überragend. Nach Toni Kroos die meisten Pässe gespielt, herausragende 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und vor allem - aus dem freien Spiel heraus sieben Torchancen vorbereitet. Das gelang noch keinem Spieler im Laufe dieser Weltmeisterschaft. Aber diese Körpersprache! Übrigens der vielleicht größte Schleicher des Weltfußballs: ein gewisser Lionel Messi. Und der kann bekanntlich auch nichts.

Fehlende Führungsspieler

Mindestens so alt wie die Debatte um die Körpersprache einzelner Nationalspieler ist die um fehlende Führungsspieler. Ist an sich eher ein Fall für Therapeuten, denn: Auch diese Diskussion wird zumeist von Ex-Fußballern angeschoben. Oftmals von solchen, die sich dem Vorwurf ehemals selbst ausgesetzt sahen. Aktuelles Beispiel: Michael Ballack. Der twitterte nach dem Südkorea-Spiel in die Welt und sucht dabei vergebens nach Führungskräften, Persönlichkeiten und Mentalität. Angesichts gestandener Charaktere, Leistungsträger und Führungsspieler wie Manuel Neuer, Mats Hummels oder Toni Kroos, die mit ihren Vereinen alles gewinnen, was es zu gewinnen gibt, und die schon dem Frühstücksmüsli mit Kampfgeist zu begegnen scheinen, ist diese Debatte allerdings ungefähr so gehaltvoll wie Magerquark.