Wer ist Nabil Bentaleb?

Der Krieger

Nabil Bentaleb hat sich in Schalke nicht nur spielerisch durchgesetzt. Er »hasst« Niederlagen und »verträgt es nicht, den Ball zu verlieren«. Ein Ehrgeiz, der besondere Gründe hat.

 

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Manchmal will man von der Tribüne auf das Spielfeld rennen und ihnen vor Wut die Schuhe ausziehen. Wenn sie wieder einmal zwei, drei Spieler haben aussteigen lassen und beim vierten hängen bleiben. Wenn sie es mit »Hacke, Spitze, Einszweidrei« mal wieder übertreiben. Aber dann, in diesem einem Augenblick, wo ihr Ball die Gasse seziert und ganze Abwehrphalanxen auflöst, da will man sie umarmen und nie wieder loslassen, die Spieler mit der Rückennummer zehn.

Beim FC Schalke 04 trägt die Legenden geschwängerte Nummer seit dieser Saison der 22-jährige Algerier Nabil Bentaleb. Innerhalb weniger Monate überzeugte Bentaleb im Zentrum der Gelsenkirchener als Spieler, der sich hinter den Spitzen ebenso wohlfühlt wie im defensiven Mittelfeld, und trotzdem keine Position für sich beansprucht: »Selbst wenn der Trainer mich hinten links aufstellt, wäre das zwar ungewohnt, aber trotzdem kein Problem für mich.« 

Keine Diva, keine Allüren - allein das unterscheidet ihn elementar von der vorigen »Zehn« Julian Draxler. Aber wer ist Nabil Bentaleb eigentlich? Als Schalke kurz vor Saisonstart die einjährige Ausleihe mit Kaufoption (19 Millionen Euro) verkündete, mussten viele Fans zunächst seinen Namen googeln. Als der Algerier 2013 gegen Southampton das erste Mal in der Startelf von Tottenham stand, hatte nicht einmal Wikipedia einen Eintrag über ihn. Und das hatte Gründe.

Wider den verschlossen Türen

Denn eigentlich war Bentalebs Profi-Laufbahn schon mehrmals vorbei. Seit seinem 14. Lebensjahr scheiterte er immer dann, wenn der nächste Schritt in der Entwicklung bevorstand. Beim AJS Wazemmes, einem Vorort von Lille, begann Bentalebs Karriere. Mit zehn Jahren wechselte er auf die Jugendakademie des Erstligisten OSC Lille, die er vier Jahre später wieder verlassen musste. 

»Mir haben eine Menge Klubs die Türen geschlossen. Der OSC Lille tat das, als ich 14 war. In diesem Alter träumst du das erste Mal davon, ein professioneller Fußballer zu werden. Das war eine schwierige Phase für mich. Ich hatte zwei Optionen: Aufgeben, oder ihnen zeigen, dass sie falsch lagen«, so Bentaleb bei ESPN. Aufgeben kam nicht in Frage. 

Wer im Vorort Wazemmes aufwächst, geht Problemen nicht aus dem Weg. In dem südwestlich gelegenen Viertel herrscht ein raues Klima. Kleine Reihenhäuser zeugen vom einfachen Leben der Arbeiterschicht. Wer hier groß wird, folgt dem Lebensmotto: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.