Wer ist Hans Meyer?

Der Hassgeliebte

Hans Meyer polarisiert. Für die einen ist er Kultfigur, für die anderen ein Kauz. In der Öffentlichkeit pendelt er oft zwischen schrullig und schräg. Kennern gilt er als kompetent und kompromisslos. Die Typologie eines Führungsstils. Wer ist Hans Meyer?Imago Sätze wie »Im Fußball baut man dir schnell ein Denkmal, aber genauso schnell pinkelt man es an« machten ihn legendär. Ein Interview mit Meyer ist alles, nur nicht gewöhnlich. Das macht ihn bei den Fans so beliebt - und für Journalisten unberechenbar. Jetzt scheint ihn sein Zitat einzuholen – zum wiederholten Male. Denn nach dem DFB-Pokalsieg mit Nürnberg baute ihm die Klubführung jenes Denkmal ebenso schnell wie  sie es einriss. Und auch in Mönchengladbach weht ihm ein anderer Wind entgegen als noch zu Amtsantritt.

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Wie kürzlich bekannt wurde, zettelten seine Spieler in der Winterpause einen Aufstand gegen Meyer an. In einem an Klub-Präsident Rolf Königs adressierten Beschwerdebrief klagte die Mannschaft über den Umgang von Hans Meyer mit den Spielern. Sportdirektor Max Eberl sagte dazu: »Dass das Thema ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit kommt, wo es bei uns sportlich nach vorne geht, stimmt mich traurig. Wir gehen der Sache aber nach, auch wenn thematisch alles intern bereits geklärt ist.« In dem Protestbrief soll die Mannschaft moniert haben, dass ausgemusterte Spieler weder mittrainieren noch sich mit dem restlichen Team in der Kabine umziehen durften. Meyer begründete diese Maßnahme damit, dass er mit einer kleineren Gruppe arbeiten wolle. Marko Marin legte nach, indem er dem »Kölner Express« sagte, er werde »oft vom Trainer kritisiert«. Und seine Auswechslung gegen Hoffenheim kommentierte er in Richtung Meyer mit den Worten: »Irgendwie hat er seine Gründe, vielleicht werde ich sie noch erfahren.«

Nur das Kollektiv kommt zum Erfolg

Meyer gilt nicht unbedingt als Freund des ausführlichen Trainer-Spieler-Dialogs. Entscheidungen wie die Trennung von Aufstiegsheld Sascha Rösler sind zu akzeptieren - auch ohne offene Gesprächsrunde im Kreise der Mannschaft.  Sein Fußballverständnis erlangte er in der DDR, zu einer Zeit, in der Liberos das Spiel bestimmten und Motivationstrainer etwas fürs Skurrilitätenkabinett waren.

Sein fußballerisches Credo hat er sich seit seiner Zeit beim FC Carl Zeiss Jena bewahrt: Nur das Kollektiv kommt zum Erfolg. Das Individuum hat in den Hintergrund zu treten. Zu den Spielern von heute sagt er, dass es vielleicht mehr als früher gebe, die fehlgeleitet und nicht mehr hundertprozentig coachbar seien. Doch: »In England gibt es so was nicht. Da hat kein Spieler rumzugackern«, wie er im »Tagesspiegel« deutlich machte. Dennoch stellt er sich in Zeiten des »Rumgegackers« vor die Mannschaft, scheut sich aber nicht vor unbequemen Entscheidungen, die er in den Medien gewohnt ironisch kommentiert. Daher bringt die Öffentlichkeit ihn immer wieder mit den gleichen Attributen in Verbindung: kultig, kauzig, kompromisslos.

So sagte Christian Ziege noch im Oktober 2008 über Meyer: »Ich habe noch nie mit ihm gearbeitet. Aus der Ferne macht es aber Spaß, ihn zum Beispiel bei Pressekonferenzen zu verfolgen.« Zwei Monate später hatte Ziege sein Amt als Co-Trainer aufgegeben. Spekulationen über Unstimmigkeiten zwischen Meyer und ihm machten die Runde, wenig später hatte Meyer sieben Spieler und Physiotherapeut Michael Risse aussortiert. Solche Aktionen sind es, die ihn in den Medien zum »harten Hans« machten.

Auch als Schleifer hat er sich unlängst einen Namen gemacht: Strafliegestütze gehören ebenso zum Training wie Befehle im Kasernenton. Dabei flattert den Spielern nicht selten Zotiges um die Ohren. Was davon ironisch oder ernst gemeint ist, bedarf der Fähigkeit zu interpretieren. Wie der Beschwerdebrief der Mannschaft zu erkennen gibt, stößt diese Art von Führungsstil auf Widerstand bei der Borussia. Doch nach seiner Entlassung in Nürnberg hatte Meyer bereits gesagt: »Künftig entlasse ich mich nur noch selbst.«