Wer ist eigentlich Wolfsburgs Bruno Henrique?

Die Aushilfe

Noch vor fünf Jahren sortierte Bruno Henrique Akten. Heute soll er erneut das große Real Madrid durcheinander bringen.

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Dieter Hecking war für seine Verhältnisse ganz begeistert: »Seine Schnelligkeit war für Marcelo ein Problem, er hat seine taktische Aufgabe hervorragend gelöst.« Manager Klaus Allofs stieß ins gleiche Horn: »Er hat einen neuen Impuls gesetzt. Wir konnten die Spieleröffnung oft über ihn machen.« Soeben hatte der VfL Wolfsburg Real Madrid im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League mit 2:0 geschlagen. Und ein bis dato nahezu unbekannter Mann namens Bruno Henrique hatte das Spiel seines Lebens gemacht.

Der pfeilschnelle 25-Jährige brachte die Madrilenen teilweise völlig aus dem Konzept. Von Hecking auf dem rechten Flügel eingesetzt, wirbelte der Brasilianer seinen Landsmann Marcelo derart durcheinander, dass der sich zu einer Beinahe-Tätlichkeit gegen Maximilian Arnold hinreißen ließ und nach dem Spiel in den Katakomben mit Dieter Hecking aneinander geriet.

Wer ist dieser Bruno Henrique?

Ein Werdegang der besonderen Art

Hätte man Bruno Henrique vor ein paar Jahren prophezeit, dass er der Auslöser für ein Scharmützel zwischen einem 42-fachen brasilianischen Nationalspieler und einem ehemaligen Polizeimeister aus Castrop-Rauxel verantwortlich wäre, hätte er diese Person wohl für verrückt erklärt. Vor knapp fünf Jahren nämlich musste sich der 1,84-Meter-Mann statt mit Laufwegen und gegnerischen Verteidigern noch mit diversen Akten und Vermerken beschäftigen. Vom Fußball alleine konnte der Brasilianer nicht leben – Henrique verdingte sich nebenbei als Schreibtischkraft in einer Anwaltskanzlei und spielte Repique-Trommel in einer semiprofessionellen Samba-Band.

Nur ein Angebot aus Europa

Erst in der vergangenen Saison gelang dem introvertierten Brasilianer der Durchbruch. Henrique spielte eine starke Saison für den brasilianischen Erstligisten Goias EC. Trotz seiner zehn Tore und sieben Assists konnte er den Abstieg des Traditionsklubs allerdings nicht verhindern. Kein Wunder, dass die brasilianischen Top-Vereine Sao Paolo, Fluminense und Santos Henrique auf dem Zettel hatten. Dass dieser sich aber nicht für ein weiteres Engagement in der Heimat entschied, sondern das einzige Angebot aus Europa vorzog, hat mehrere Gründe. 

Wolfsburgs Stürmer Nummer Eins Bas Dost brach sich in der Vorbereitung auf die Rückrunde den Mittelfuß. Der VfL musste reagieren und schaute sich auf dem Transfermarkt um. Die Wahl von Manager Allofs fiel auf den Schweizer Nationalspieler Breel Embolo vom FC Basel. Die Wolfsburger boten 28 Millionen Euro. Da Basel mehr verlangte, hatte sich das Kapitel Embolo schnell erledigt.