Wer ist eigentlich Monacos-Erfolgscoach Leonardo Jardim?

Baumeister der Torfabrik

Der AS Monaco steht im Viertelfinale der Champions League und ist auf dem Weg Meister zu werden. Mit einer Mannschaft, die ihre Gegner in Grund und Boden schießt. Wer ist der Vater dieses Erfolgs?

imago

Nach 93 aufreibenden Minuten liegt Leonardo Jardim seinen Co-Trainern erleichtert in den Armen. Der AS Monaco hat die Herkulesaufgabe gegen Manchester City trotz Hinspielniederlage mit Bravour gemeistert. Im Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse haben seine Schützlinge die Citizens mit 3:1 besiegt und sind damit eine Runde weiter. Erst Trainerkollege Pep Guardiola unterbricht die Jubel-Orgie kurz, aber nur um Jardim zum verdienten Weiterkommen zu gratulieren. Dann geht die Feier im Spielerkreis weiter. Selbst Funktionäre und Ersatzspieler sind in die rot-weiße Jubeltraube mit eingeschlossen. 

Jardim betreut die Monegassen jetzt im dritten Jahr und wird als heißer Kandidat für Arsène Wengers Nachfolge bei Arsenal gehandelt. Hierzulande ist er jedoch ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Der Sohn portugiesischer Auswanderer ist in Venezuela geboren, wuchs aber auf der Urlaubsinsel Madeira auf – genau wie ein gewisser Cristiano Ronaldo. Da es früh absehbar war, dass es für eine Spielerkarriere als Profi nicht reicht, entschied sich Jardim dafür, Fußballlehrer werden zu wollen. Bereits mit 24 Jahren schloss er ein von der UEFA organisiertes Sportdiplom ab. Dass er auch Standardsituationen zu schätzen weiß, zeigt das Thema seiner Abschlussarbeit: »Eckballvarianten bei der EURO96«.

Chefcoach mit 29 Jahren

2001 wurde der als eher zurückhaltend geltende Jardim mit nur 27 Jahren Assistent des portugiesischen Drittligisten AD Camacha. Zwei Jahre darauf übernahm er den Cheftrainerposten – Julian Nagelsmann lässt grüßen. Nach fünf Jahren bei Camacha, folgten mehrere kürzere Trainerstationen, bei denen sich Jardim in kleinen Schritten nach oben arbeiteten wollte – es gelang.

Ein erstes Ausrufezeichen setzte Jardim  dann im Jahre 2011 beim SC Braga. Dort schloss er in der Liga überraschend gut, noch vor Sporting Lissabon, auf Rang drei ab und erreichte in der Euro-League die Zwischenrunde. Nach Unstimmigkeiten mit dem Präsidium verließ Jardim Braga bereits nach einer Spielzeit. Es ging weiter zum griechischen Serienmeister Olympiakos Piräus.

Trotz eines Zehn-Punkte-Polsters auf den Zweitplatzierten wurde der aufstrebende Coach nach nur einem halben Jahr entlassen – keine Seltenheit bei der eigenwilligen Führungsetage in Piräus. Es ging zurück in die heimische Liga zu Sporting Lissabon. Mit Sporting, dass in der vorherigen Saison noch die internationalen Plätze verpasste, erreichte Jardim die Vizemeisterschaft hinter Stadtrivale Benfica. Dann folgte der Ruf aus dem Fürstentum und Jardim ergriff im Sommer 2014 die nächste Chance auf ein Auslandsabenteuer.