Wer ist Effenbergs Co-Trainer Sören Osterland?

The Eye of the Tiger

Sören Osterland schloss mit 26 Jahren seine Trainerausbildung ab – mit Note 1,0. In Paderborn soll er seinem Jugendidol Stefan Effenberg assistieren. Eine gute Entscheidung?

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Als Sören Osterland am 22. März 2012 seinen Trainerschein von Ausbilder Frank Wormuth entgegennimmt, ist der Applaus besonders groß. Osterland genießt zwischen den ganzen ehemaligen Bundesligastars einerseits eine Art Exotenstatus, andererseits ist er nun mit 26 Jahren der jüngste Fußballlehrer Deutschlands.

Und dann ist da natürlich noch das exzellente Zeugnis: Einskommanull. Nur Alexander Zorniger hat den 58. Trainerlehrgang in Hennef besser abgeschlossen. Wormuth wird später sagen: »Sören Osterland war einer derjenigen Trainer, der von Anfang an in Konzepten gedacht hat. Er ist mit seinem Weitblick aufgefallen.«

Abschlussfoto mit Alphatier
 
Aber jetzt müssen erst mal Fotos gemacht werden. Also treten auch die anderen Absolventen auf die Bühne. Darunter Markus Kauczinski, Christian Wörns, Jörg Heinrich, Detlev Dammeier oder Peter Nemeth. Nur die zwei prominentesten Absolventen sind kaum zu erkennen. Es ist ein seltsames Bild, denn während der junge Sören Osterland, schwarzes Sakko, weißes T-Shirt, kerzengerade und ganz vorne in der Mitte posiert, stehen das Bayern-Alphatier und der große Bayern-Mittelfeldzauberer der Neunziger in der zweiten Reihe.

Der eine, Stefan Effenberg, ist gar nicht zu sehen, weil er von einem Vordermann verdeckt wird. Der andere, Mehmet Scholl, steht ganz außen und wird von einem Schatten verdunkelt. Vielleicht wird auch Osterland später geschmunzelt haben, denn die beiden Spieler waren die prägenden Fußballer seiner Jugend.
 
Rückblick. EM 1996. Deutschland wird in England Europameister und Osterland, elf Jahre alt, hockt mit seinem Vater vor dem Fernseher. An der Wand seines Kinderzimmers hängt ein Poster von Mehmet Scholl, der im Turnier zwar nur dreimal spielen darf, aber immerhin ist er im Finale dabei. Er dribbelt, flankt und passt, und irgendwie hat auch er einen großen Anteil am Sieg gegen Tschechien – in der 69. Minute verlässt er das Feld für Oliver Bierhoff.
 
»Durchschnitt ist für andere«

Fünf Jahre später, der 23. Mai 2001. Sören Osterland, mittlerweile 16 Jahre und glühender Bayern-Fan, sitzt wieder vor dem Fernseher. In der 50. Minute verwandelt Stefan Effenberg einen Handelfmeter zum 1:1. Etwa Stunde später, nach Verlängerung und Elfmeterschießen, hievt der Bayern-Kapitän den Champions-League-Pokal in den Himmel von Mailand. Und der junge Bayern-Fan schreit seine Freude hinaus. Diese unbändige Kraft, dieser unbedingte Wille, die Schmach von 1999 vergessen zu machen – Stefan Effenberg ist der Mann, der Roy Keane schon im Viertelfinale unmissverständlich klar machte, dass es nur in dieser Champions-League-Saison nur einen Boss geben würde.

Als Osterland seine zwei Jugendidole im Sommer 2011 wiedertrifft, mit ihnen die Schulbank drückt, ist er zunächst etwas verlegen und distanziert. Da der Dribbelkönig, dort der Alphaboss. »Ich schaute mir das erst einmal an«, sagte er nach dem Lehrgang. Aber die Schüchternheit verfliegt schnell, es wird freundschaftlicher, die Rollen sind bald verteilt: Effenberg, der Klassensprecher; Osterland, der Einserschüler.