Wer ist Branislav Ivanovic?

Welcome to Ivanfield

Die britische »Sun« fand für den 3:1 Sieg des FC Chelsea an Liverpools Anfield Road nur eine Überschrift: »IVANFIELD«. Branislav Ivanovic erledigte Liverpool quasi im Alleingang. Doch wer ist dieser Ivanovic? Wer ist Branislav Ivanovic? In der 39. Minute reicht Branislav Ivanovic ein kurzer Blickkontakt mit seinem Kapitän John Terry, um zu wissen, wohin er gleich zu laufen hat. Florent Malouda hebt die Ecke butterweich auf den kurzen Pfosten, Ivanovic steigt hoch, höher, noch höher. Xabi Alonso, Martin Skretl und Albert Riera, drei Liverpooler, stehen um ihn herum, scheinen jedoch fest mit Boden verklebt. Ivanovic trifft den Ball perfekt mit dem Kopf und wenige Sekunden später steht es 1:1.

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Später köpft Ivanovic auch noch das 2:1 und bringt damit den »Kop« an der Anfield Road zum Schweigen. Drogba erhöht kurz vor Schluss sogar auf 3:1. Liverpool verliert nach 10 Spielen das erste Mal zu Hause in der Champions League. Vergessen ist der glorreiche 4:0 Sieg gegen Real Madrid im Achtelfinale. Vergessen sind die Ausnahmeleistungen der letzten Wochen. Die Realität für Liverpool heißt jetzt Chelsea, heißt 3:1, heißt Branislav Ivanovic.
Dass Ivanovic überhaupt noch in London spielt, ist einer der Zufälle, die eine klassische Heldengeschichte braucht, und die der Fußball so gerne schreibt. Denn eigentlich wollte der kantige Serbe schon lange weg aus der britischen Hauptstadt. Zwar hatte Roman Abramowitsch Ivanovic erst im Winter 2007 für 12,5 Millionen Euro von Lokomotive Moskau losgeeist, doch in den Planungen seines damaligen Chelsea-Trainers Avram Grant spielte »Bane«, wie ihn seine Mitspieler nennen, keine Rolle und wurde in die Reservemannschaft versetzt. In der Sommerpause versuchte er dann erstmals einen Wechsel nach Italien zu forcieren, doch Chelsea schob dem Treiben einen Riegel vor. Der neue Chelsea Trainer Scolari versichert Ivanovic, dass er mit ihm rechne, setzte ihn dann aber im Laufe seiner Amtszeit nur sporadisch ein. Die Situation als Einwechselspieler nervte den 25-jährigen dermaßen, dass er seinen Berater im Winter erneut bat, in Europa Ausschau nach einem neuen Club zu halten. Der FC Florenz meldete Interesse und beide Parteien näherten sich schnell einander an. Im Januar schien der Abgang von Ivanovic zur Fiorentina bereits beschlossene Sache, die Koffer waren schon gepackt, doch der Wechsel scheiterte im letzten Moment an der zu hohen Ablösesumme.

Stillstand kannte er nicht

Ivanovic blieb in London, nahm wieder Platz auf der Auswechselbank und wartete frustriert auf seine Chance. Scolari setzte ihn weiterhin kaum ein, die großen Namen Terry, Bosingwa, Carvalho und Cole schienen eine zu hohe Hürde für den vielseitigen Verteidiger zu sein. Seiner Karriere drohte der Stillstand, ein Zustand den Ivanovic nicht gewohnt war. Mit 19 Jahren wechselte er vom serbischen Zweitligisten FK Srem zum OFK Belgrad in die erste serbische Liga, mauserte sich zum Kapitän in der serbischen U-21 Nationalmannschaft, mit der er 2004 Vize-Europameister wurde. Lokomotive Moskau lockte Ivanovic in die russische Premjer League und spätestens nach seiner ersten Saison stand der Serbe auf den Merkzetteln aller europäischen Topclubs. Juventus Turin, Inter Mailand, Barcelona und natürlich Real Madrid, alle wollten den Rechtsverteidiger haben. Schlussendlich wechselte Ivanovic in der Winterpause 2007 voller Hoffnungen an die Stamford Bridge und saß seitdem in einer Sackgasse fest.
Dabei hatte der serbische Nationalspieler immer wieder in der WM-Qualifikation deutliche Ausrufezeichen gesetzt. An der Seite von Manchester Uniteds Abwehrhünen Vidic führte er Serbien an die Spitze ihrer Qualifikationsgruppe, erzielte selbst bei vier Einsätzen drei Tore. Doch weder Scolari noch dessen Nachfolger Hiddink befanden den Serben für befähigt, dauerhaft in der Startelf des FC Chelsea aufzutauchen. Erst die Verletzung des Portugiesen Bosingwa spülte Ivanovic unverhofft in die Viererkette der »Blues«. Prompt wurde er, die große Unbekannte, von Liverpools Benitez als mögliche Schwachstelle im Chelsea-Bollwerk ausgemacht. Beim 1:0 durch Torres schien sich dieser Verdacht dann auch zu bestätigen. Ivanovic köpfte erst den Ball zu einem Liverpool Angreifer und verlor dann Torres aus den Augen. Alles schien seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Benitez hatte seine Taktikfüchsigkeit erneut unter Beweis gestellt, die Maschine Liverpool war auf Kurs. Doch dann kam die 39. Minute, dann kam die Ecke von Malouda, Ivanovic stieg hoch, Xabi Alonso klebt am Boden und aus Anfield wurde für diesen einen Abend IVANFIELD.