Wer ist Bergamos Bryan Cristante?

»Atalanta hat mir gezeigt, wer ich bin«

So hat er diese Saison wettbewerbsübergreifend auch schon zehn Tore erzielt. Ball kontrollieren, Pass auf den Flügel, bevorzugt zu Papu Gomez, der ihm schon fünf Mal auflegte. Durchlaufen in die Spitze, Ball zurückbekommen, abschließen. Die Freiheiten, die Gasperini lässt und verlangt, nutzt er für sein Spiel. Was es so schwer macht, Cristante zu verteidigen.

Stellt Dortmund einen einzelnen Spieler für ihn ab, riskieren sie die eigene Ordnung, wenn der das ganze Feld beackern muss. Cristante aber im Raum zu verteidigen, erfordert durch dessen Bewegungsmuster ständiges Übergeben und Übernehmen. Geht das nicht schnell genug, kann man nur reagieren. Wie Julian Weigl, der die Läufe des Italieners in die Spitze verteidigen sollte, aber oft nur hinterherlief.

»Erst Phänomen, dann Niete. Atalanta hat mir gezeigt, wer ich bin« war ein Interview mit dem italienischen Corriere Della Sera überschrieben. In Atalantas Spiel kann Cristante Schalten und Walten, seine Stärken im Pass- und seine Weiträumigkeit im Positionsspiel entfalten, sowie seine Physis in der Defensive ausspielen. 

Wo gehen Sie hin? – Auf’s Feld, Fußball spielen.

Nachdem er erst die große Hoffnung war und dann, wie er selbst sagt, zur »Niete« wurde, spielt er jetzt so gut, dass Manchester United, Juve und Co. Gebote über 35 Millionen Euro angekündigt haben. Atalanta wird im Sommer die Kaufoption für schlappe fünf Millionen ziehen und den Profit machen, den der enttäuschte Milan-Fan bei Benfica vermutete. In Mailand hingegen gibt es neue Hoffnungsträger. Sie heißen Donnarumma, Locatelli oder Crutone. Wirklich von der Stelle gekommen ist der Verein seit 2014 aber nicht.

Cristantes Karriere könnte eine dieser »Toptalent ist doch nicht gut genug, kriegt dann später noch einigermaßen die Kurve «-Geschichten sein. Nur, dass er mehr war als ein Toptalent. Er symbolisierte die Hoffnung eines ganzen Klubs. Und dass er wohl mehr als nur einigermaßen die Kurve kriegt.

Wohin Bryan Cristante wechseln wird und wie er in einem anderen System funktioniert, weiß man nicht »Also: Wo gehen Sie hin?«, fragte der Corriere ihn im Interview. Antwort: »Erstmal auf’s Feld. Um Fußball zu spielen.« Frei, über den ganzen Platz und ohne die Last eines ganzen Vereins auf den Schultern. So wie heute Abend gegen Dortmund.