Wer hinter Spaniens USA-Spiel steckt

Für eine Handvoll Dollar

In den vergangenen fünf Jahren sanierte Javier Tebas den spanischen Fußball, doch die Kritik an ihm wächst. Er streitet sich öffentlich mit dem Verbandspräsidenten und wünscht sich eine Marine Le Pen für Spanien. 

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Die zwölfte Spielminute widmen spanische Fans seit einigen Jahren ihrem Ligapräsidenten: »Tebas, hau endlich ab!« Der Ruf ist in vielen Stadien mittlerweile Tradition. Die Abneigung gegen den spanischen Ligapräsidenten Javier Tebas vereint die Ultras vereinsübergreifend. Den Angesprochen, beziehungsweise Angeschriene, interessiert das wenig: »Das kommt vor allen Dingen aus den Rängen, wo ich eh gerne ein paar Leute rausschmeißen würde« sagte er El Confidencial und fügte an: »Nur manchmal, wenn bei uns zuhause Fußball läuft, singen sogar meine Kinder mit.«

Zerstückelte Anstoßzeiten, Streikandrohung der Spieler und Ligaspiele in den USA. Abseits des Sportlichen produziert der spanische Fußball derzeit vor allen Dingen bedenkliche Schlagzeilen. Immer, wenn es eine neue Vermarktungsstrategie gibt, die den Fußball weiter mit Gewalt über die Schwelle zur kompletten Monetarisierung prügelt, ist er nicht weit.

Kollabierende Fans

Tebas ist seit fünf Jahren Präsident der spanischen Liga und hat sich seitdem nicht allzu viele Freunde gemacht. Zur Zeit liefert er sich einen öffentlichen Kampf mit Luis Rubiales, dem Vorsitzenden des spanischen Fußballverbands RFEF. Es geht um die Vermarktung der Liga, darum, ob man die Interessen der Menschen dem Kommerz unterordnen sollte. Für zehn Ligaspiele gibt es meist neun unterschiedliche Anstoßzeiten, was konkret bedeutet: Spiele um 12 Uhr Mittags und Montags um 22:15 Uhr. In den vergangenen Wochen sind mehrere Fans in spanischen Stadien in der Mittagssonne zusammengebrochen. Auch der Villareal-Verteidiger Àlvaro Gónzalez musste beim Spiel gegen Valencia zur Halbzeit behandelt werden, weil ihm bei 30 Grad im Schatten übel wurde.

Deshalb kritisierte Rubiales, dass die Gesundheit der Spieler und Fans in den Hintergrund rücke, um den internationalen Fernsehmarkt zu hofieren. Tebas Kommentar dazu: »Mein Freund Rubiales, das ist sehr viel Demagogie. Heute genossen 114.000 Menschen den MotoGP von Aragon bei 32 Grad, ohne Beschwerden.« Das dort die Menschen mit Sonnenschirmen und Kühlboxen sitzen? Geschenkt.

 »Respektlos und illoyal.«

Rubiales kündigte an, die Kompetenz für die Anstoßzeiten aus den Händen der Liga zu nehmen, falls sich nichts ändern sollte. Tebas sagte dazu: »Ich bin einzig dafür verantwortlich, wann die Spiele angepfiffen werden.« Der mächtigste Mann der Liga gilt als Alleinherrscher und Egozentriker. Er selbst sagte über sich, er liebe es, in den Schlagzeilen zu stehen. Rubiales nannte Tebas »respektlos und illoyal.«

Die gegenseitige Abneigung hat eine Vorgeschichte. Rubiales war zuvor der Vorsitzende der Spielergewerkschaft Asociación de Fútbolistas Españoles (AFE) und zu dieser Zeit der natürliche Gegenspieler von Tebas. Der unterstützte damals die Gründung einer Konkurrenz-Gewerkschaft, Futbolistas ON, die der spanischen Liga angeschlossen sein und von ihr finanziell unterstützt werden sollte. Das Risiko eines Spielerstreiks dürfte bei einer ligaeigenen Gewerkschaft deutlich geringer sein.