Wenn Trainer falsch wechseln

Der Millionen-Irrtum?

Doch Hoeneß merkte auch an, dass »ein Dietmar Hamann ja kein Diego Maradona sei«. Kurzum: Die Einwechslung eines Amateurs sei – im Gegensatz zu einem vierten Ausländer – keine Verstärkung für eine Mannschaft. Trapattoni sah das ähnlich: »In Italien hätte ich eine Prämie bekommen, wenn ich mit vier Amateuren ein Auswärtsspiel gewonnen hätte.«

»Amateure? Was weiß ich, wer da Amateur ist?«

Und Franz Beckenbauer grummelte direkt nach dem Schlusspfiff: »Amateure? Was weiß ich, wer da Amateur ist? Bei uns ist in dieser Saison so viel schiefgegangen, warum nicht auch das?«
 
Für den FC Bayern lief es zu der Zeit alles andere als rund. Der Rekordmeister stand nach jenem 26. Spieltag auf Platz 6 der Tabelle. Und nun, das schien sicher, würde das Spiel gegen Frankfurt, der höchste Sieg der laufenden Saison, als 0:2-Niederlage gewertet. Der »Kicker« titelte auch deswegen am Montag »Der Millionen-Irrtum?«

Bayern-Anwalt Reinhard Rauball
 
Die Bayern wollten nichts unversucht lassen und beauftragten einen Rechtsanwalt, die Sache für sie zu lösen. Sein Name: Reinhard Rauball. Der heutige DFL-Chef verkündete einen Tag später, dass er einen Ansatzpunkt habe. Welchen?, fragten die Journalisten, doch Rauball schwieg zunächst.
 
Am Grünen Tisch war das Hauptargument dann jenes Zitat von Uli Hoeneß: »Hamann ist nicht Maradona.« Was ja durchaus seine Richtigkeit hatte, doch dem DFB, der erst kurz zuvor die Drei-Amateure-Regel verabschiedet hatte, zu wenig war. Der Paragraph 25, Absatz 4 der DFB-Lizenzspielerstatuten, ließ jedenfalls keinen Interpretationsspielraum für solcherlei Vergleiche: »Ein Spiel ist als verloren zu werten, wenn ein nicht spielberichtigter Spieler eingesetzt wird.«

Der FC Bayern musste die Punkte in Frankfurt lassen und schied wenige Tage später aus der Champions League aus. Dort verlor die Mannschaft gegen Ajax Amsterdam, 2:5. Die Saison brachte sie immerhin auf Platz 6 zu Ende, was eine gute Sache nach sich zog: den Gewinn des Uefa-Cups 1996.

Nur für einen lief nach dem Spiel in Frankfurt nichts mehr: Marco Grimm. Bei der Fehleranalyse des Wechseltheaters kam Augenthaler eines Tages zum Fazit: »Das Blöde war der Grimm, den hatte irgendwie keiner auf der der Rechnung.« Grimm, der Unsichtbare, machte kein einziges Spiel mehr für den FC Bayern.