Wenn Trainer in die Trickkiste greifen

Daums kaputte Weinflaschen, Rangnicks Eisenbieger

6. Werner Kern
Äußerst fortschrittlich, was Werner Kern, Trainer von Eintracht Trier, da 1981 im Abstiegskampf der zweiten Liga auf den Weg brachte: Weil seine Spieler beharrliche die Köpfe hängen ließen, klemmte sich Kern ans Telefon und bat bei der Universität Trier um psychologische Unterstützung. Die Uni schickte den Diplompsychologen Dr. Ulrich Kuhl, der sich fortan um die psychologische Betreuung der Trierer kümmerte. Die Maßnahme wurde zum Bombenerfolg: Innerhalb von zwölf Spieltagen kletterte der Abstiegskandidat von Platz 14 auf Rang drei der Zweitliga-Tabelle.

7. Waleri Lobanowski
Apropos fortschrittliches Arbeiten: Was uns heute als hypermodern verkauft wird, hatten die Sowjets schon 1967 auf dem Kasten. Waleri Lobanowski, zu diesem Zeitpunkt in den letzten Atemzügen seiner aktiven Karriere, baute gemeinsam mit dem Physik-Professor Anatoli Zelentsow eine eigene Datenbank auf, in die sämtliche Analysen der Spieler einflossen. Mit Videospielen testete das Duo die Reaktionsfähigkeit der Kicker, alle verfügbaren wissenschaftlichen Daten flossen in die Arbeit ein. Zelentsows Fazit: »Wer im Spiel nicht mehr als 18 Prozent Fehler begeht, ist unschlagbar.«

8. Christoph Daum
Klar, darf hier nicht fehlen. Während seiner Zeit beim 1. FC Köln kloppte Daum mehrere zehntausend DM an die Kabinentür, um seine Spieler entsprechend zu motivieren, in Leverkusen schockte er die Liga, als er seine Stars unter der Anleitung von Mental-Trainer Jürgen Höller (»Scherben sind stumpf, rund, harmlos, Freude, glatt, kuschelig!«) über Glasscherben aus drei zerschlagenen Weinflaschen laufen ließ. Von 24 Spielern kniffen lediglich Robson Ponte, Paolo Rink, Dariush Yazdani und Oliver Neuville (»Ich hab´ das nicht richtig verstanden, da war mir das Risiko zu groß.«). Daum später: »Erst habe ich die Scherben gesehen und gedacht: Hey, leck mich am Arsch, hoffentlich geht ein anderer drüber. Aber dann musste Trainer John Wayne wieder vorangehen. Es war ein absolutes Aha-Erlebnis!« Schade eigentlich, dass Lukas Podolski damals noch zu jung war.

9. Volker Ippig
Vorzeige-Linksaußen und Schlussmann Volker Ippig entwickelte sich nach seiner Karriere zu einem gefragten Torwarttrainer. Auch aufgrund seiner extravaganten Methoden: Um seine Schützlinge geschmeidiger zu machen, baute Ippig artistische Übungen in seine Einheiten ein, die einem Kleinkunstfestival zur Ehre gereicht hätten. Etwas gewöhnungsbedürftig sollen Ippigs Behandlungsmethoden bei kleineren Wehwehchen gewesen sein: Nasenbluten versuchte er mit Schlägen auf die Fußsohle zu stoppen, für Fingerverletzungen hatte die St.Pauli-Legende immer ein paar Päckchen Backpulver dabei. Wofür auch immer.

10. Ralf Rangnick
Absoluter Champion in Sachen kuriose Trainermethoden ist der gute alte Ralf Rangnick. Der überraschte in seinen Jahren als Trainer gleich wiederholt mit erstaunlicher Kreativität, wenn es darum ging, seine Spieler mental zu stärken. Recht konservativ war da noch der mit Autolack auf den Kabinenboden gesprühte Spruch »Glaube an dich selbst!« (bei Hannover 96), schon mehr Power hatte der in der Halbzeitpause gezündete Böller (ebenfalls Hannover). Fast niedlich waren die mit den Namen von geliebten Menschen vollgetexteten Zettelchen, die sich seine Spieler auf Schalke hinter die Schienbeinschoner klemmen sollten. Und beim VfB Stuttgart ließ er seinen Torwart Franz Wohlfahrt auf einem Stuhl sitzend von zwei Mitspielern hoch heben – mit den Zeigefingern. Rangnicks größtes Spektakel: Als er dem verdutzten Krassimir Balakov eine dünne Eisenstange an die Kehle setzte, das andere Ende sich selbst an den Hals und dann gemeinsam mit dem Bulgaren Eisen bog. Zitat Rangnick: »Es herrschte eine spürbare Spannung und Energie im Raum. Über 100.000 Volt!«