Wenn Trainer in die Trickkiste greifen

»Voodoo-Horst« und Schoko-Pokale

1. Rudi Gutendorf
Als Schalke 04 in der Saison 1968/69 nach 15 Spieltagen bereits neun Mal verloren hatte, verpflichtete der Klub Rudi Gutendorf. Der ließ die verdutzten Spieler ihre Trikots auf einen Haufen werfen, kippte Benzin dazu und verbrannte die Leibchen. Von wegen böse Geister verjagen und so. Mit Erfolg: Gutendorf führte seine Schalker am Ende auf einen respektablen siebten Platz.

2. Jürgen Klopp
Dass Kloppo ein Leib- und Magen-Motivator ist, ist nun wirklich kein großes Geheimnis mehr. 2007 griff er im Abstiegskampf mit dem FSV Mainz zu einer doch sehr konventionellen Methode und ließ in der Kabine eine wandgroßes Plakat aufhängen. Darauf stand: »Heute schon an den nächsten Sieg gedacht?« Vielleicht doch etwas zu konventionell und flapsig. Die Mainzer stiegen ab.

3. Horst Ehrmanntraut
Wohl doch eher eine Ente ist die Geschichte von »Voodoo-Horst« Ehrmanntraut, dem in der Saison 1998/99 vorgeworfen wurde, er habe seinen Co-Trainer Bernhard Lippert von Mannschaftssitzungen ausgeschlossen, weil der »negative Energie« versprühen würde. In der »Welt« schimpfte Ehrmanntraut damals: »Das ist eine Lüge, die zum Himmel schreit!« Und Lippert? Der erklärte zwar: »Horst und ich sind immer loyal miteinander umgegangen«, fügte aber hinzu: »Natürlich gab es Situationen, in denen ich mich als Mensch erniedrigt fühlte. Mir hat auch nicht gefallen, draußen vor der Kabine zu warten. Horst hatte einige Macken.« Ja, was denn nun? Ehrmanntraut jedenfalls bezichtigte Manager Gernot Rohr, diese »Lüge« in die Welt gesetzt zu haben. Vielleicht eine Idee mit eher negativer Energie: Kurz darauf wurde Ehrmanntraut entlassen. Am Ende mussten dann Jörg Berger und Jan Åge Fjørtoft die Eintracht vor dem Abstieg bewahren. Ganz ohne Voodoo.

4. Christian Gross
Die »11FREUNDE Lederhose in Bierschaum und Bratwurstfarbe« vergeben wir voller Nationalstolz an den Schweizer Christian Gross für seine Leistung, sämtlichen Klischees zu entsprechen und das auch noch als wirkungsvolle Maßnahme zu verkaufen. Vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel seiner Grasshopper Zürich gegen Maccabi Tel-Aviv 1996 ließ der spätere Stuttgart-Coach Miniatur-Champions-League-Pokale anfertigen – aus Schokolade. Botschaft: »So süß ist die Champions League!« Das Königsklassen-Naschwerk half, die Grasshopper erreichten die Gruppenphase.

5. Uwe Reinders
Einmal mit dem Trainer-Kärcher feucht durchwischen musste Uwe Reiners, als er 1990 als einer der ersten West-Trainer in der DDR-Oberliga tätig wurde. Beim FC Hansa Rostock schaffte Reinders zunächst die jahrelang üblichen 4000-Meter-Geländeläufe ab (»Wann rennt man das als Fußballer denn mal am Stück?«), ebenso wie Anwesenheitspflicht von 9 bis 17 Uhr auf dem Trainingsgelände. Außerdem lehrte er seine Kicker noch im kleinen Einmaleins der gesunden Ernährung: »Lasst euch von euren Frauen abends auch mal Reis machen, nicht nur fettige Pommes!« Antwort von Kapitän Juri Schlünz auf die Frage nach seinem Lieblingsessen: »Bratwurst. Seit Uwe Reinders hier ist: Spaghetti.«