Wenn Profis zum Mitfahrer werden

Am Bahnhof aufgegabelt

Nachdem Middlesbroughs Marten de Roon am Wochenende an einem Bahnsteig strandete, retteten ihn Fans aus seiner misslichen Lage. Nicht die erste ungewöhnliche Fahrgemeinschaft zwischen Fans und Profis. 

Screenshot Twitter

Marten de Roon
Wenn die Dopingprobe länger dauert, sollte man beim FC Middlesbrough offenbar nicht auf Mitleid hoffen. So musste Marten de Roon am Samstagabend nach der Partie gegen West Ham ganz alleine für seine Rückkehr aus London ins 400 Kilometer entfernte Middlesbrough sorgen. Während seine Teamkollegen also schon längst gemütlich im Zug saßen, verpasste de Roon selbigen und stand auf einmal ganz allein auf weiter Flur im Nord-Osten Londons.

Bis Lloyd Cooper und seine Lads vorbeikamen und den Gestrandeten in ihrem Minibus mitnahmen. Neben zahlreichen Fotos und einem laut Cooper »bodenständigen und sehr dankbaren« Eindruck, hinterließ de Roon großzügige 60 Pfund für die Fahrt und widmete den Mitfahrern einen eigenen Twitter-Eintrag. 

Leighton Baines

De Roon ließ sich mitnehmen – Baines hat mitgenommen. In der Vorbereitung zur Saison 2013/2014 staunten drei Everton-Fans nicht schlecht, als die Fenster eines schwarzen Porsches nach unten fuhren, Baines sich hinter dem Steuer zu erkennen gab und die Anhänger kurzerhand mit zum Testspiel bei den Blackburn Rovers mitnahm.

Das ein oder andere Bier gepaart mit der natürlichen Zuneigung gegenüber der Everton-Ikone veranlasste die Fans dazu, dem Linksverteidiger während der gemeinsamen Fahrt reichlich Honig ums Maul zu schmieren. Vielleicht entschied sich Baines, damals von ManUnited umworben, auch deswegen gegen einen Wechsel und verlängerte ein halbes Jahr später seinen Vertrag bei den Toffees. 

Ernst Middendorp
Am 11. April 1998 verlor Bielefelds Jahrhunderttrainer Middendorp mit seiner Arminia 0:2 beim Hamburger SV. Noch auf der Rückfahrt durfte sich das Team im Mannschaftsbus bei Ran auf Sat.1 ihr Versagen vor Augen führen. Zudem kam Stürmer Stefan Kuntz vor den TV-Mikrofonen zu Wort. Mit einem schelmischen Grinsen wies er jegliche Schuld an der Niederlage von sich.

Middendorp platzte daraufhin der Kragen. »Anhalten«, forderte der Coach den Busfahrer auf, »ich kann den Kerl nicht mehr sehen. Ich steige aus.« Auf der Raststätte Hannover-Garbsen verließ Middendorf den Bus und stieg ins Taxi. »Die 220 Mark dafür muss er selbst bezahlen«, kommentierte Präsident Hans-Hermann Schwick damals trocken. Der Name Kuntz wurde danach übrigens aus Middendorps Sprachgebrauch gestrichen. Der Stürmer war fortan »meine Nummer elf.«