Wenn Lionel Messi zum Problem wird

Wenn die Lichtgestalt über allem thront

In der Sportpsychologie wird dieses Phänomen als eine »nicht optimale Gruppenkohäsion« bezeichnet, hier hervorgerufen durch eine Heterogenität innerhalb der Gruppe. Oder einfach ausgedrückt: Im Fußball gewinnt meistens nicht die Mannschaft mit den besten Einzelspielern, sondern die, die perfekt und auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Eben jene Spielszene ist eine sinnbildliche Erklärung für das Scheitern von Barca, bei denen die Lichtgestalt Messi über allem thront.

So passt es ins Bild, dass die Helden diesmal andere sind. Während sich der argentinische Superstar mehrmals wütend in der Liverpooler Hintermannschaft festrennt, schießen Klopps Nebendarsteller Divock Origi und Georgino Wijnaldum den 4:0-Triumph für eine Liverpooler Elf heraus, die sich in jeder Sekunde dieses packenden Thrillers als homogene Mannschaft präsentiert.

Nur mehr ein Klub

Große Spieler schaffen es, ihre Kollegen besser zu machen und auf ein neues Niveau zu heben. Das weiß die Sportwelt spätestens seit Michael Jordan, der im Basketball mit seiner Genialität und seinem Charisma etliche Kollegen auf Star-Level mitzog. Auch wenn der Einzelspieler Lionel Messi im Fußball als Pendant zu »His Airness« durchgeht, sind sich Experten einig, dass der FC Barcelona nach seinem Rücktritt ein ernstes Problem bekommt. Denn der Klub hat es bislang versäumt, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verlagern. Die Erfolge des Klubs hängen von der Durchschlagskraft des Superstars ab. Hustet Messi, kriegt Barca einen Schnupfen. Das hat das Gemetzel von Anfield eindrucksvoll bewiesen.

Und was wäre die bittere Konsequenz, wenn passiert, was der Kollege Stephan Reich im 11FREUNDE-Ticker über Messi schrieb: »Irgendwann wird dieser unglaubliche Fußballer seine Karriere beenden. Und dann wird er sich in sein Raumschiff setzen und einfach wieder auf seinen Heimatplaneten zurückfliegen«? Der Verein, der von sich behauptet, mehr als ein Klub zu sein, könnte auf einmal ganz normal werden.