Wenn Fans sich vom Fußball abwenden (1)

Die Liebe vergeht nie. Oder doch?

Konstantin Kummer / 31 (auf unserem Foto zu sehen)
Ich war selbst nah dran am ganz großen Fußball. Von der C- bis zur A-Jugend spielte ich bei der SpVgg Greuther Fürth, schaffte es in Auswahlmannschaften mit späteren Profis wie Roberto Hilbert, Christian Eigler und Daniel Baier. Bis mich die Seuche erwischte und vier Kreuzbandrisse den großen Traum von der Bundesliga zerstörten.

Fjörtoft. Wahnsinn! Trauer!

Immerhin blieb so mehr Zeit, mich auf meine große Liebe, den 1. FC Nürnberg, zu konzentrieren. Fan der Clubberer war ich schon immer. Was habe ich alles erlebt mit diesem Verein! Sieg in München! Köpke, Zarate, Sutter. Phantomtor. Wiederholungsspiel. Abstieg. Aufstieg. Abstieg gegen Freiburg, Nikl Pfosten, Baumann, Golz. Fjörtoft. Wahnsinn! Trauer! Galasek-Vittek-Mintal-Saenko-Schroth - auf einmal Spaß im Stadion. Begeisterung! Hans Meyer. Das Pokal-Halbfinale gegen Frankfurt. Berlin! Andi Wolf hebt den Pokal in die Höhe. Unvergesslich, ich hätte nie gedacht, so etwas mal zu erleben. Dann Everton. Lissabon! Das bittere Aus. Ich dachte fest daran, dass jetzt bessere Zeiten kommen. Aber Club bleibt a Depp. Abstieg 2008. Dann wieder Rumgestolper. Das war hart und es schien so als wäre etwas in mir zerbrochen. Aber die Liebe vergeht nie. Oder doch?

Der moderne Fußball mit all seinen Auswüchsen ekelt mich nur noch an. Retortenvereine wie RB Leipzig, die den Grundgedanken des Spiels mit Füßen treten. Die Schere zwischen armen und reichen Klubs, die die großen Sensationen, von denen dieser Sport lebt, fast unmöglich gemacht haben. Der Aufstieg von Darmstadt 98 hat mich kurz an das Gute im Fußball glauben lassen. Aber nur kurz.

Irgendwann platzt die Blase

Ja, ich liebe dieses Spiel noch immer. Aber dann sehe ich jede Woche aalglatte Fußballer vor die Kameras treten, um von noch aalglatteren Reportern belanglosen Mist gefragt zu werden. Für mich ein sichtbares Zeichen dafür, dass (Profi-)Fußball nicht mehr Sport ist, sondern Geschäft. Die Kuh ist schon so lange gemolken worden, dass ich mir inzwischen relativ sicher bin, dass die Blase Fußball irgendwann einmal platzt. Was auf der einen Seite vielleicht sogar einen reinigenden Effekt von all den widerlichen Auswüchsen hätte, andererseits eine Tragödie für all die Menschen wäre, denen der Fußball so wichtig ist, wie mir.