Wenn Fans Filme machen

»Man soll sich erinnern, woher man kommt.«

Es ist aber nicht nur eine Hommage an die urigen Typen der erfolgreichsten MSV-Mannschaft. Es ist ein Zeitdokument über die Anfänge der Bundesliga, mit Hintergründen zu ihrer Entstehung. Zudem ist es ein Heimatfilm über das Leben im Ruhrgebiet nach dem Krieg. Interviews mit den Meidericher Vizemeistern wechseln mit Originalfilmaufnahmen und Spielberichten sowie aktuellen Aufnahmen der damaligen Schauplätze ab. Der Wandel des Duisburger Stadtteils Meiderich steht dabei stellvertretend für die Entwicklungen im gesamten Revier.

Anders als in Düsseldorf und Dortmund mussten Lütjens und seine Kollegen mit einem Minibudget von 12 500 Euro haushalten. Auf Crowdfunding verzichteten sie bewusst: »Wir waren bemüht, das Thema aus der Öffentlichkeit raus zu halten, weil wir nicht wussten, was überhaupt daraus wird«, sagt Lütjens. Dass manchmal auch gar nichts daraus wird, hat sich in diesem Sommer beim Reviernachbarn Schalke 04 gezeigt, wo ein Crowdfunding-Filmprojekt von Fans über den Uefa-Cup-Sieg 1997 am Geldmangel scheiterte.

»Kinder konnten jetzt ihre Väter richtig verstehen«

Mit dem Erfolg haben die drei Duisburger Filmemacher genauso wenig gerechnet wie damals die Spieler mit dem Vizemeistertitel. Die erste DVD-Auflage von 1000 Stück war nach anderthalb Tagen weg, mittlerweile sind 3500 verkauft. »Anschließend haben Kinder von ehemaligen Spielern uns geschrieben, dass sie jetzt erst ihre Väter richtig verstehen, was diese Zeit damals für sie bedeutet hat«, sagt Kristian Lütjens.

In Düsseldorf soll Fortunas Trainer Oliver Reck schon vorgeschlagen haben, dass sich jeder neue Spieler als erstes »Fortunas Legenden« ansehen müsse. In Dortmund laufen noch die Dreharbeiten. Weil es kein Filmmaterial aus der damaligen Gründerzeit mehr gibt, werde der Film wohl »sehr knoppig« werden, sagt Jan-Henrik Gruszecki und meint nachgestellte Szenen, wie sie in den Geschichtsdokus des früheren ZDF-Historikers Guido Knopp vorkommen. Die Uraufführung ist zum 105. Vereinsjubiläum geplant. Gruszecki wünscht sich, »dass die Leute aus dem Kino gehen und sagen: Boah, geil, jetzt weiß ich, was um den 19. Dezember 1909 passiert ist.«

So unterschiedlich die Fandokus thematisch auch sind, so ähnlich sind ihre Ziele: Es geht darum, sich daran zu erinnern, woher man kommt. Und diese Erinnerung festzuhalten. Weil sie zu kostbar ist, um sie Außenstehenden oder den Klubs zu überlassen. Fans wollen selbst gestalten. Es geht ihnen darum, die Geschichten ihres Vereins - ihre Geschichte - zu erzählen. Denn wiederholen kann man sie nicht. Genauso wenig wie ein Tor.