Wenn Fans Filme machen

»Inszenierung von Fußball ist schwierig«

Ein ähnliches Projekt gibt es seit 2013 in Dortmund: Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch und Gregor Schnittker, Fernsehjournalisten und Borussen-Fans, drehen gerade einen Film über Franz Jacobi und seine 17 Mitstreiter, die 1909 den »Ball Spiel Verein Borussia« gründeten. »Am Borsigplatz geboren. Franz Jacobi und die Wiege des BVB«, wird der Titel lauten. »Die 18 Brüder sollten mal in die erste Reihe geholt werden«, sagt Gruszecki.

Auch er und seine Mitstreiter starteten einen Aufruf über die Crowdfunding-Plattform Startnext. 120 000 Euro gaben sie als Minimalbudget für den Film an. Auch der BVB half mit, nahezu alle Sponsoren des Klubs gaben mindestens 5000 Euro dazu. Am Ende kamen laut Gruszecki rund 260 000 Euro zusammen.

Filmwissenschaftler Schwab sieht einen Grund für den Erfolg der Fandokus gerade in der Nähe der Filmemacher zum Verein: »Beim Erstellen von Filmen wie Fortunas Legenden hilft das Herzblut der Filmemacher, einen Zugang zu Protagonisten zu finden.« Außerdem biete sich gerade der Dokumentarfilm als Genre für Fußballfilme an: »Die Inszenierung von Fußball in authentischer Weise ist extrem schwierig«, sagt Schwab. Die Ansprüche der Fans an Fußballdokumentarfilme seien geringer als an Fußballspielfilme. »Einer Doku verzeiht man drei schwächere Protagonisten, wenn es der vierte wieder rausreißt.«

Meidericher SV – eine bessere Straßenmannschaft

Ein solcher Rausreißertyp ist Johann Sabath, einer der Protagonisten des Films »Meidericher Vizemeister«. Matthias Knorr, Michael Wildberg und Kristian Lütjens - allesamt Filmautodidakten und Fans des MSV Duisburg - erzählen darin, wie eine bessere Straßenmannschaft in der ersten Bundesligasaison 1963/64 überraschend Vizemeister wurde. Von den Spielern waren neun im Duisburger Stadtteil Meiderich aufgewachsen, wenige Häuserblocks voneinander entfernt. 

Dieser zweite Tabellenplatz ist bis heute der größte Erfolg des Vereins, doch von offizieller Seite habe die Mannschaft nie ein »Wort der Dankbarkeit erhalten«, sagt Kristian Lütjens, der sich vor allem um Dramaturgie und Schnitt gekümmert hat. »Ihre Geschichte ist nie angemessen erzählt worden.« Dazu gehört auch die Anekdote von Sabath, seinem Mitspieler Hartmut Heidemann und dem roten Mercedes 32 SL von MSV-Trainer Rudi Gutendorf. Aus Wut über Gutendorfs hartes Training pinkelten sie das Auto an - und wurden vom Trainer erwischt und zur Rede gestellt. Die Antwort der beiden ist in der Duisburger Fanszene längst zum Running Gag geworden und auf einem Aufkleber verewigt: »Welches Auto?«