Wenn Fans Filme machen

»Spieler werden wieder auf der Straße gegrüßt.«

Seit einigen Jahren entdecken zunehmend Fußballfans das Genre des Dokumentarfilms für sich. Der Kieler Filmwissenschaftler Jan Tilman Schwab, Autor des Buches »Fußball im Film«, sieht darin einen Trend, der bereits vor rund 25 Jahren begonnen hat. »Weil VHS-Kameras verhältnismäßig billig und gängig waren, konnten Fans nun ihre Ideen auch umsetzen. Auch wenn die Ergebnisse mitunter filmisch noch etwas dürftig waren.«

Den Anfang in Deutschland machten 1991 Fans des FC St. Pauli mit ihrem Film »… und ich weiß, warum ich hier stehe« über ihren Kampf gegen Neonazis im Stadion und an der Hamburger Hafenstraße. Durch die Digitalisierung sei es für Fans heute noch leichter geworden, Filme selbst zu drehen und zu schneiden. Neue Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowd funding tragen ebenso zur »Demokratisierung der Produktionsmittel« bei, wie Schwab es nennt.

»Ihr kriegt keine 3000 Euro zusammen«

Pape und Schürmann waren die Ersten, die versuchten, eine Fußballdoku per Crowdfunding zu finanzieren. »Alle, die mit Filmen zu tun haben, haben uns gesagt: Ihr seid verrückt, mit Fortuna kriegt ihr keine 3000 Euro zusammen.« Am Ende kamen mehr als 100.000 Euro zusammen, insgesamt kostete der Film 120.000 Euro.

Im Film kommen Fortuna-Spieler der vergangenen 70 Jahre zu Wort. Eine Düsseldorfer Zeitreise vom deutschen Meistertitel 1933 bis zum Absturz in die vierte Liga und der Rückkehr in die Bundesliga. Dazwischen erzählen Anhänger von persönlichen Höhepunkten ihrer Fan karriere. Sie erzählen vom ersten Stadionbesuch, von unvergesslichen Auswärtsfahrten samt Tankstellenplünderung und ihren größten Spielen - Erfahrungen und Gefühle, die es so ähnlich auch in Blau-Weiß, Schwarz-Gelb oder Grün-Weiß geben dürfte.

Mancher ehemaliger Spieler musste erst davon überzeugt werden, mitzumachen. So wie Ralf Dusend, der von 1977 bis 1987 rund 240 Mal für Fortuna gespielt hat und beim ersten Telefonat skeptisch fragte: »Warum holt ihr mich dafür aus der Kiste?« Pape antwortete ihm: »Weil du mein persönlicher Held als Kind warst.« Bei der Premiere im November 2013 in Düsseldorf feierten 1200 Zuschauer die Legenden - auch jene, die sie nie spielen gesehen hatten. »30 Jahre alte Fans kannten Ralf Dusend ja nicht mehr«, sagt Pape. »Jetzt werden Spieler wie er wieder auf der Straße gegrüßt.«