Wenn Fans Filme machen

Denkmäler auf DVD

Nicht nur der DFB bringt eine Dokumentation über den WM-Titel heraus, auch viele Fans verewigen ihre Helden und Vereine in selbstgedrehten Filmen. In die Tage gekommene Bundesligaspieler werden zu Filmstars.

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Beim ersten Training danach versucht es Ralf Dusend erneut. »Sach' mal einer, von wo ich geschossen habe«, ruft der Mittelfeldspieler von Fortuna Düsseldorf seinen Kollegen zu. Sie zeigen ihm die Stelle, von der er am Samstag zuvor das 1:0 für die Fortuna beim VfB Stuttgart erzielt hat: halblinke Position, vielleicht 25 Meter vor dem Tor. Mit links hat Dusend geschossen, obwohl der rechte sein starker Fuß ist. Der Ball schlägt dennoch im rechten Winkel ein.

Nun versucht es Dusend erneut, schießt einen Ball nach dem anderen aufs Tor, wieder mit links, aber diesmal ohne Torwart. Nach zehn Schüssen hört er auf. Kein einziger ist reingegangen. Ein Tor kann man nicht wiederholen.

»Was machen eigentlich die ganzen geilen Spieler?«

Dusend erzählt diese Geschichte 30 Jahre später in dem Dokumentarfilm »Fortunas Legenden. Tradition kann man nicht kaufen«, der im April 2014 beim 11-mm-Fußballfilmfestival in Berlin den Publikumspreis gewann. Die beiden Filmemacher und Fortuna-Fans Lars Pape und Holger Schürmann hatten sich irgendwann mal gefragt, »was machen eigentlich die ganzen geilen Spieler, denen wir damals zugejubelt haben?«, wie Lars Pape erzählt. »Wir wollten ihnen ein filmisches Denkmal setzen.«

Die Verbindung aus Fußball und Film ist fast so alt wie die 1895 gegründete Fortuna. 1897 entstand das erste Fußballdokument der Filmgeschichte - der französische Einminüter »Football«, der englische Fußballer zeigt. 2006 lockte Sönke Wortmanns WM-Doku »Deutschland. Ein Sommermärchen« vier Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos. Am 10. November wird »Die Mannschaft« in Berlin vorgestellt, eine Dokumentation über den Weltmeisterschaftssieg der deutschen Nationalelf 2014 in Brasilien.