Wenn die Mafia gern Fußball guckt

Spielmacher

Der Film »Spielmacher« ist gerade auf die Leinwände gekommen. Frederick Lau spielt einen desillusionierten Ex-Fußballer, der in die Wettmafia hineingerät. Wir waren im Kino und wollten schauen, bei wem wir das Wetten lieber bleiben lassen.



Screenshot Youtube

Berlin, Donnerstag um 19.30 Uhr, das Kino am Alex ist fast leer. Noch ein anderer Besucher räkelt sich in seinem Sitz, nach einem kurzen Gespräch wird klar, dass er zufällig am Kino vorbeigelaufen ist und sich in den nächsten Film gesetzt hat. Und keinen Fußball mag. Pech gehabt, ganz klar.

Vorhang auf und nach schier endlosen Filmchen über die Hertha, Trailern mit Moritz Bleibtreu und Werbung von Zigarettenmarken, die das Paradies auf Erden versprechen, endlich: Frederick Lau. Sein Gesicht, in Großaufnahme, während er das Gefängnis verlässt, um ein neues Leben zu starten.

Was wäre ein Thriller ohne Love Interest?

Lau spielt im Langspielfilmdebut von Regisseur Timon Modersohn den ehemaligen, ambitionierten Regionalligakicker Ivo, der durch seine Fußballleidenschaft und –kenntnis in mafiöse Strukturen rutscht. Die Aussicht auf das große Geld ist magisch- und lässt ihn mehr als einmal Schwellen übertreten, die seine Moral hart auf die Probe stellen. Bis er auf den jungen, talentierten Spieler Lukas trifft, der ihn stark an sich selbst erinnert.

Dessen alleinerziehende Mutter sieht – wie sollte es auch anders sein - zufälligerweise enorm gut aus und kann das Flirten mit dem jungen, mysteriösen Bad Boy einfach nicht lassen. Was wäre ein Thriller ohne ein anständiges Love Interest?

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Der Film greift ein Thema auf, dass der Fußballwelt nicht unbekannt ist, das aber nur zu gerne totgeschwiegen wird. Zum ersten Mal berichteten die Medien groß vom Hoyzer-Skandal, als der damalige Schiedsrichter Spiele des DFB-Pokals, der 2. Liga und der Regionalliga durch bewusste Fehlentscheidungen manipulierte.

Mittlerweile hat sich der Wettmarkt so rapide vergrößert, dass man zur WM diesen Jahres weltweit pro Spiel schon mit 1 bis 3 Milliarden Euro Umsatz rechnet. Wie viel davon illegal erbeutet wird, ist unklar- Ermittler sprechen von mehreren Millionen.



Ebendiese Ermittler, wie etwa Andreas Krannich, der Leiter von »Sportradar«, der eng mit dem DFB zusammen arbeitet, setzen alles daran, möglichst viele Wettanbieter und Spiele zu überwachen. Was fehle, sei die Prävention- es wird klar kritisiert, dass Sportwettanbieter mittlerweile ganz legal offizielle Partnerschaften mit Sportverbänden eingehen, sich aber niemand darum kümmert, zum Beispiel die Jugendspieler der Vereine über mögliche Gefahren aufzuklären. Dabei sind die Risiken hier am größten.

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