Wenger zu den Bayern?

Arsène und Spitzenjobs

Seit fast dreißig Jahren sind Arsène Wenger und der FC Bayern so etwas wie die zwei Königskinder, die nicht zusammenkommen können. Ob sich das nun endlich ändert? 

imago images

Quizfrage: Seit wann ist Arsène Wenger beim FC Bayern im Gespräch? Die Antwort dürfte sogar ältere Bayern-Fans überraschen, die sich vielleicht erinnern, dass da mal irgendwas mit Trapattoni war. Denn um den ersten Flirt zwischen dem Rekordmeister und dem elsässischen Grandseigneur zu finden, muss man bis ins Frühjahr 1992 zurückgehen.

Schon damals war Wenger keineswegs ein Unbekannter. Er hatte mit Monaco die Meisterschaft sowie den Pokal gewonnen und galt auch als Kandidat auf den Posten des französischen Nationaltrainers (am Ende wurde es Gerard Houllier, dessen kurze Amtszeit sehr unglücklich verlief). Die Bayern suchten zu diesem Zeitpunkt ebenfalls einen Trainer, denn nach nur fünf Monaten hatte man das Experiment mit Sören Lerby beendet. Es dürfte Vizepräsident Franz Beckenbauer gewesen sein, der Wenger ins Spiel brachte, den er aus seiner Zeit bei Olympique Marseille kannte. Nach einer Partie zwischen Marseille und Monaco hatte Wenger sogar mal für Beckenbauer auf der Pressekonferenz den Dolmetscher gegeben.

»Sie gehen mir auf den Wecker!«   

Doch im März 1992 wurde aus dieser Idee nichts, weil der Elsässer gerade dabei war, Monaco ins Finale um den Pokal der Pokalsieger zu führen, das dann gegen Werder Bremen verloren ging. So wurde ein gewisser Erich Ribbeck neuer Bayern-Trainer. Doch damit war das Thema Wenger beim Klub noch lange nicht erledigt. Denn Ribbeck hielt sich keine zwei Jahre im Amt, schon im Dezember 1993 musste er gehen. Die »Hamburger Morgenpost« titelte: »Die Bayern-Sensation: Erst Franz, dann Arsène Wenger!« Das mit Franz stimmte, denn Beckenbauer sprang bis Saisonende ein. Und das mit Wenger hätte wohl auch gestimmt – wenn er nicht einen langfristigen Vertrag gehabt hätte. 

Noch bis in den März 1994 galt Wenger als Wunschkandidat für die Beckenbauer-Nachfolge und war laut »L’Equipe« auch bei Real Madrid, Juventus Turin und Paris St. Germain im Gespräch. Dann platzte ihm der Kragen. In einem Interview sprach Wenger von »Erfindungen unseriöser Zeitungen« und sagte dem Reporter: »Sie gehen mir mit diesem Thema auf den Wecker! Es bleibt dabei, dass ich meinen bis 1995 laufenden Vertrag erfülle.« Die für Bayern bittere Pointe an der ganzen Geschichte war, dass Wenger das eben nicht tat. Schon im September 1994 wurde er vom AS Monaco entlassen.

Und wieder waren die Bayern an ihm dran. Giovanni Trapattoni war da zwar erst zwei Monate an der Säbener Straße im Amt, doch ganz offenbar muss die Klubführung mit der verrückten Idee gespielt haben, den Italiener durch den Franzosen zu ersetzen. Denn vor sechs Jahren erzählte Uli Hoeneß der »Sun«: »Damals, bevor er nach Japan ging, sind Franz Beckenbauer und ich nach Nizza geflogen und haben mit ihm verhandelt. Alles war schon klar, aber letztlich hat er sich dann doch entschieden, nach Japan zu gehen. Wir waren sehr überrascht.« Von Nagoya Grampus Eight in Japan aus ging es für Wenger 1996 nach London, zu seiner Lebensaufgabe bei Arsenal, wo er alles umkrempelte.

Anruf in London

Doch der Kontakt nach München riss trotzdem nicht ab. Im März 1997 zum Beispiel, zur chaotischen Hochzeit des FC Hollywood, rief ein verzweifelter Hoeneß in London an und bat Wenger um Tipps, wie man so einen Sauhaufen diszipliniert. Dann sagte er der Presse: »Wir werden jetzt englische Verhältnisse kreieren!« Das gelang allerdings erst etwas später, unter der deutschen Ausgabe von Arsène Wenger: Ottmar Hitzfeld. Und als eben der Ende 2002 bei den Bayern stark in der Kritik stand, richtet sich der flehende Blick mal wieder nach London. Wie so oft in den Jahren danach. Im Januar 2008 wunderte sich die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«: »Wenger wird trotz seines langfristigen Vertrags mit Arsenal London in München mindestens einmal pro Saison als heißer Tipp genannt.«

Nun, nach all den Jahren, in denen die Bayern vergeblich um Wenger gebuhlt haben, ist die Situation auf einmal ein andere. Denn jetzt hat es fast den Eindruck, als wäre es der Franzose, der auf den Spitzenjob an der Säbener Straße scharf ist, während der Rekordmeister sich ein wenig ziert. Bleibt das zwischen den beiden vielleicht doch eine unendliche Geschichte?