Weltfußballer Manuel Neuer? Pro & Contra

Der Prototyp

Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi steht Manuel Neuer zur Wahl für den Weltfußballer 2014. Was spricht für, was gegen die deutsche Nummer Eins?

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Pro
Als das letzte Mal ein deutscher Torwart den Weltfußball so dominierte, war Manuel Neuer 16 Jahre alt und prostete vermutlich seinen Freunden aus Gelsenkirchen-Buer mit stillem Wasser zu. Im Sommer 2002 spielte Neuer noch in der Jugend von Schalke 04 und war ein in der breiten Öffentlichkeit unbekanntes Talent unter vielen. Jugendtrainer und Scouts aus dem ganzen Land dürften den Teenager da allerdings schon auf dem Schirm gehabt haben. Wenn auch nicht unbedingt als kommenden Weltfußballer.

Oliver Kahn hieß der Torwart, der damals die Welt in Atem hielt. Seine Paraden bei der WM in Japan und Südkorea waren so zahlreich und eindrucksvoll, dass er am Ende des Jahres als erster Fußballer seit der offiziellen Vergabe 1991 unter den letzten drei Nominierten zur Weltfußballer-Wahl auftauchte. Kahn wurde Zweiter, hinter Ronaldo.

Trotz Messi, trotz Ronaldo

Manuel Neuers Chancen, als erster Torwart diese individuelle Auszeichnung (die seit 2010 offiziell »FIFA Ballon d´Or heißt) entgegen zu nehmen, stehen sogar noch besser als damals bei Oliver Kahn. Obwohl die Konkurrenten Cristiano Ronaldo und Lionel Messi heißen. Obwohl Torhüter gegen solche Offensivmonster eigentlich keine Chance haben. Das hat verschiedene Gründe.

Die Zahlen
Die Kollegen von Bundesliga.de haben sich die Mühe gemacht, und zehn Statistiken zusammengestellt, die die Qualitäten des Bayern-Keepers eindrucksvoll unterstreichen. Besonders beeindruckend: In dieser Saison hat Neuer 91 Prozent der auf sein Tor geschossenen Bälle abgewehrt, bei 33 Versuchen trafen gegnerische Spieler nur dreimal ins Tor. In der Geschichte der Bundesliga ist Neuer bislang der einzige Torwart mit über 100 Begegnungen, der weniger Gegentore kassierte als er Spiele bestritt (216 zu 264). Und: In den vergangenen 33 Partien hat Neuer kein Gegentreffer mehr verschuldet – Zeichen einer beinahe schon unheimlichen Konstanz.

Die Präsenz
Spätestens seit er 2011 zum FC Bayern wechselte, hat sich Neuer mit seinen anhaltend überdurchschnittlichen Leistungen, den beeindruckenden Zahlen und dem aggressiven Spielstil einen Respekt erarbeitet, der im Weltfußball unter Torhütern seines gleichen sucht. Vielleicht hat er die Präsenz, die ein Torwart haben kann, sogar auf ein neues Level gehoben. Sein Vorgänger als Welttorhüter, Iker Casillas, hatte jahrelang einen exzellenten Ruf als Ausnahmekönner, doch fehlte ihm die Urgewalt, um auch dem abgebrühtesten Stürmer weiche Knie zu machen. Neuer profitiert dabei von drei Faktoren.
Erstens: Seinem exzellenten Ruf als Ausnahmekönner, der inzwischen dem von Casillas zu dessen besten Zeiten in nichts nachsteht.
Zweitens: Der dank deutscher Wüteriche wie Toni Schumacher oder Oliver Kahn international weiterhin bestehenden Angst vor dem teutonischen Torwart-Kraftpaket.
Drittens: Dem erstaunlichen Medienhype, den Neuer inzwischen auslöst. Die deutsche Nummer Eins gehört zu den Lieblingen sowohl der seriösen Presse, als auch der Vielzahl an prominenten Blogs, Facebook- und Twitterseiten. Keine spektakuläre Parade, die nicht viral verwurstet wird, Hackentricks gegen Frankfurt oder Reminiszenzen an Tricks von Johan Cruyff (gegen Hoffenheim) werden regelmäßig weltweit verbreitet. Und wagt sich mal ein anderer Torwart aus seinem Strafraum oder vernascht gar einen Gegenspieler, dann wird er prompt mit Neuer verglichen. Mit seinem Spielstil, seiner Qualität und seinem Auftreten hat sich Neuer ein eigenes Genre geschaffen.