Welche Rolle spielt Bayerns Neuzugang Kingsley Coman?

Der neue Duft von Coco

Mit großen Tönen stellte sich Kingsley Coman beim FC Bayern vor. Wer ist dieser 19-Jährige, der den Unterschied machen will?

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Eigentlich sollte man dankbar sein, wenn Fußballer mal ein wenig auf die Kacke hauen. Gerade in diesen Zeiten, da Interviews mit Profis oftmals den Spannungsbogen einer Gebrauchsanleitung für einen Kühlschrank haben.
 
Allein wenn mal wirklich jemand auf dicke Hose macht, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein hat als andere,  in der wohlerzogenen Bundesliga, beim feinen FC  Bayern, dann beginnt ein Wett-Echauffieren. Wie kann man nur? Hat der schon was geleistet? Wer ist dieser Typ nur?
 
Er ist: Kingsley Coman, Franzose, 19 Jahre jung, Flügelspieler und seit zwei Wochen Spieler beim FC Bayern.

»Kann ein Spiel in jedem Moment rausreißen«
 
Bei seiner Präsentation sagte er den Journalisten, er sei ein Spieler, der »den Unterschied macht, in jeder Minute des Spiels«. Er könne ein Spiel »in jedem Moment rausreißen«. Dass er auch sagte, der FC Bayern sei ein großartiger Klub, interessierte da schon gar nicht mehr. Die deutsche Fußball-Öffentlichkeit hatte ein neues Großmaul. Zumal sich beinahe zeitgleich ein Foto via Twitter verbreitete, das Coman beim Besuch eines Münchener Eiscafés zeigt. Er trägt goldene Schuhe, goldene Hose und auf dem Kopf, richtig, goldene Locken.
 
Man dachte kurz an früher, als es so einen in der Bundesliga nicht gegeben hätte. Als solche Jungs von Mark van Bommel oder Horst-Dieter Höttges über die Bande geflext wurden. Die Ballnetze tragen oder die Schuhe der Häuptlingen zubinden durften. Als Spieler sich vorstellten wie Stan Libuda, der auf die Frage, wer er denn sei, schüchtern und devot Halbsätze ins Mikrofone stammelte. Und sich dann noch versprach: »I am the white ring.«
 
Und dann kommt also dieser Junge, ein Teenager noch, und sagt erst einmal, dass er, der für Paris Saint-Germain und Juventus Turin nicht mal 30 Profispiele bestritten hatte, den Unterschied mache. Seitdem liegt dieser Satz wie eine Bleiplatte auf ihm. Coman? Ach ja, dieser Typ, der glaubt er sei der Messias. Coman? Ach ja, dieser Junge, der aussieht wie Mario Balotelli. Coman?

»Er kann ein spektakulärer Spieler werden«
 
Nach seinem ersten Kurzeinsatz am Wochenende gegen Augsburg schrieb die »tz«: »Kingsley Coman lässt großen Sprüchen keine Taten folgen.« Es wirkt dieser Tage, als hätte er bei seiner Vorstellung vor zwei Wochen, diesen einen Satz, noch bevor er ihn zu Ende gesprochen hatte, auf seine Stirn tätowiert. Und es schwingt immer ein bisschen die Frage mit: Warum ist der überhaupt hier?
 
Kingsley Coman, ein ist »eines der großen Talente des europäischen Fußballs«, sagte Matthias Sammer, als der FC Bayern den Transfer verkündete. Schnell und technisch versiert sei er, ein Spieler, der das Eins-gegen-eins liebe, sagt sein ehemaliger Juventus-Mitspieler Arturo Vidal. Und Willy Sagnol, momentan Trainer bei Girondins Bordeaux, befand kürzlich im »kicker«: »Er kann ein spektakulärer Spieler werden.«