Welche Lehren die Bayern aus dem Scheitern in Madrid ziehen sollten

Jetzt wird die Interpretationslawine losbrechen

»Im Fußball geht es immer weiter, auch wenn nach einem solchen Spiel die Zeit stillstehen sollte«, sagte Thomas Müller auch noch. Er wusste in dem Moment, dass in den kommenden Tagen eine Interpretationslawine losbrechen wird. Das hat auch damit zu tun, dass sein Klub einer ist, der sich mit dem Konzept der romantischen Niederlage nie hat anfreunden können.

Die Bayern wollen nicht »Meister der Herzen« sein sondern Meister. Mit gnadenloser Konsequenz (und einem guten Stück Stumpfheit) messen sie sich allein an Titeln. Und weil sie durch ihre groteske wirtschaftliche Übermacht der deutsche Meistertitel entwertet ist, ist längst der Gewinn der Champions League der wahre Maßstab.

Alles war gut so!

Diese werden sie aber auch 2018 nicht gewinnen, und dafür muss es doch irgendwelche Gründe geben. Wir Menschen denken nämlich so: Wenn wir mit einem Ergebnis nicht zufrieden sind, muss der Weg zu diesem Ergebnis falsch gewesen sein. Material dafür wäre ja da: Weil angeblich Thomas Müller und Robert Lewandowski in großen Spielen nicht treffen, weil Neuer fehlte, weil zu viele Spieler im entscheidenden Moment der Saison verletzt waren.

Der Klub muss aus den Spielen gegen Real die richtigen Schlüsse ziehen, wird es heißen. Ein richtiger Schluss wäre: Alles war gut so! Natürlich nicht in jeder Spielsituation und schon gar nicht bei den krassen Fehlern von Rafinha im Hinspiel und von Ulreich in Madrid. Aber wer würde darüber reden, wenn verdientermaßen doch noch einer reingerutscht wäre?

2013 war das Schicksal noch auf Bayerns Seite

Dann würde in den nächsten Tagen über das Torwartproblem von Real Madrid diskutiert, den grotesken Abwehrfehler von Sergio Ramos und über die Frage, wo in diesem Halbfinale eigentlich dieser Cristiano Ronaldo war.

Bayern hatte groteskes Pech beim »Finale dahoam« 2012 gegen Chelsea. Und im Jahr danach gegen Borussia Dortmund das Schicksal auf seiner Seite. Diesmal in Madrid hat es sich wieder auf die Seite des Gegners geschlagen. So ist das manchmal, und so kann es auch in Zukunft wieder sein in Spielen mit Gegnern auf Augenhöhe. Die Demut, das zu akzeptieren, muss man aufbringen. Und sich gut darauf vorbereiten, dass es beim nächsten Mal anders sein kann. Vielleicht schon im kommenden Jahr.