Welche Aufgaben Martin Pieckenhagen in Rostock bewältigen muss

Pieckenhagens erster Punktsieg

Nun also Pieckenhagen. Ein Name, der nicht nur emotional mit Rostock verbunden ist. Gemeinsam mit dem Finanz-Unternehmer Christian Daudert versuchte Pieckenhagen unter anderem im Jahr 2012 bei einem beliebten Fußball-Startup einzusteigen. Auch andere ehemalige Rostocker wie Oliver Neuville, Marko Rehmer und Ewald Lienen sind oder waren geschäftlich mit Daudert verbandelt. Besonders interessant: Rolf Elgeti, der Investor, der Hansa zuletzt mal wieder bei einer Lizenz unter die Arme griff, sitzt beim Daudert-Projekt »Staramba« im Verwaltungsrat.

Fernab dieser Verbindungen konzentriert sich die Kritik an der Pieckenhagen-Verpflichtung auf seine Vita. Als Sportvorstand oder im Management eines Profiklubs hat der 47-Jährige nie gearbeitet. Neben den zwei Jahren als sportlicher Leiter und Trainer in Schwerin, arbeitete Pieckenhagen noch in Würzburg als Torwart-Trainer. Starke Referenzen sehen anders aus. Zumal der vorletzte Hansa-Sportvorstand René Schneider mit einer ähnlichen Vita schnell gescheitert war. Thomas Gansauge, der mit Pieckenhagen einige Klassenerhalte feierte, sagt hingegen: »Er ist hochmotiviert, weil Hansa ihm am Herzen liegt, nicht wegen der Kritik der Fans. Er wird kein Problem haben, seine Vision zu verteidigen und durchzusetzen.«

Pieckenhagen hat schon einen Coach

Der Unterschied zwischen Schneider und Pieckenhagen? Der ehemalige Torhüter, der sich mehrfach vergeblich in Rostock beworben hatte, gilt als durchsetzungsstark, ehrgeizig und selbstbewusst. Ex-Kollege Gansauge sagt: »Piecke war ein Kämpfer und Teamplayer auf dem Feld. Mit einer klaren Meinung, die er vertreten hat.«

Ein Fall wie im Mai 2017, als der Schneider-Wunschkandidat Karsten Neitzel als Trainer bereits auf gepackten Koffern saß, allerdings von Aufsichtsrat nicht angenommen wurde (weil dem Ex-Kieler die Aufstiegserfahrung fehlte, Dotchev hingegen schon zwei Aufstiege feiern konnte), dürfte Pieckenhagen nicht passieren.

Auch konnte der neue Sportvorstand schnell einen Dotchev-Nachfolger präsentieren, den Magdeburger Aufstiegs-Trainer Jens Härtel. Dass sich Härtel, der Magdeburg von der Regionalliga in die 2. Liga führte und seine Mannschaft konsequent weiterentwickelte, für ein Hansa-Engagement entschied, überraschte in der Branche. Doch Pieckenhagen überzeugte den begehrten Trainer vom Rostocker Schleudersitz. Ein Punktsieg für den Sportvorstand. Der darauf hoffen kann, dass Härtel den hochwertig besetzten Kader schnell zu mehr Konstanz führt.

Schneller Erfolg muss her

Pieckenhagen braucht mehr dieser Erfolge - für Ruhe und Vertrauen in seine Arbeit und um weiteren Missmut vorzubeugen. Dass er dabei auch hart und nicht immer schön spielen kann, wie in einer Bild-Kolumne vor ein paar Jahren, in der er unter anderem seinen alten Torwart-Bekannten Andreas Reinke hart anging, sollte niemanden überraschen. Es geht schließlich nicht nur um Hansa, sondern auch ums gewinnen. Der Bild sagte er vor wenigen Tagen, dass er gute Spieler für wenig Geld wolle. Man sollte es ihm zutrauen.

Und ganz sicher: In Rostock freut man sich nach Jahren der Flaute mittlerweile auch über Tore, die mit »Pieke« erzielt werden.