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Welche Aufgaben Martin Pieckenhagen in Rostock bewältigen muss

Mit Pieke

Martin Pieckenhagen war ein sehr guter Fußballtorhüter in Rostock. Nun ist er dort Sportvorstand, obwohl er kaum Erfahrung im Management hat. Ist er der richtige Mann für Hansa?

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Es war angerichtet: Die Spieler standen in ihren Trainingsanzügen neben den verchromten Boliden Spalier, das frisch gezapfte Bier perlte in den Glaskrügen der Schlipsträger. Und auf einer Videoleinwand grüßte der damalige Mainz-Trainer Thomas Tuchel den Mann des Abends: Ex-Bundesliga-Torhüter Martin Pieckenhagen. Jener Abend im Autohaus sollte den Beginn einer Erfolgsgeschichte markieren. Die des FC Mecklenburg-Schwerin, einem Verein aus den Niederungen des Amateursports. Mit Pieckenhagen als Sportlicher Leiter, später dann auch als Trainer, wollte der Klub in der Volleyballstadt näher an den Profifußball heranrücken.

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Warum die alte Geschichte aus der Provinz wieder spannend ist? Martin Pieckenhagen, früher ein sehr guter und durchaus auch exzentrischer Bundesliga-Torhüter, ist zurück im Profifußball. In der dritten Liga. Bei seinem Ex-Klub, dem FC Hansa Rostock. Einem Verein, der lange bekannt dafür war, ein wenig zu sehr in der Vergangenheit zu schwelgen. In Zeiten, in denen die Mannschaft zehn Jahre Bundesliga am Stück spielte. In denen Rostock den Deutschen ein halbes Jahr Jari Litmanen schenkte.

Skepsis bei den Fans

Doch anders als bei anderen Rückholaktionen alter Helden blieb die Euphorie dieses Mal aus. Pieckenhagen ist kein Wunschkandidat der Fans. Manche freuen sich sogar darüber, dass der Vertrag erstmal nur für ein Jahr gilt. Doch vielleicht ist genau diese Skepsis eine Chance.

Dass Pieckenhagen seine Rückkehr in den Profifußball überhaupt begehen kann, hat mit einer Druckwelle zu tun, die Rostock unmittelbar nach Jahresbeginn erfasste. Trainer Pavel Dotchev und Sportvorstand Markus Thiele wurden gleichzeitig entlassen. Zwei Zankäpfel, deren zwischenmenschliche Diskrepanzen selbst durch die Stellungnahme des Vereins durchschimmerten.

Offensive Ziele in Rostock

Die Aufregung kam dennoch plötzlich, weil das ungleiche Duo aus dem charmanten Dotchev und dem fachlich versierten, aber etwas hüftsteifen Thiele noch vor wenigen Monaten viel Erfolg hatte. In der 2. Runde des DFB-Pokals war man dem Bundesligisten aus Nürnberg teilweise überlegen, verlor erst im Elfmeterschießen. In der Tabelle Ende Oktober war der zweite Tabellenplatz nur einen Sieg entfernt.

Doch danach? Bis auf ein 4:1 gegen Kaiserslautern kam nicht mehr viel. Die Entwicklung der Mannschaft stockte, außer dem famosen Linksaußen Merveille Biankadi, Abwehrchef Oliver Hüsing und Torwart Ioannis Gelios rutschte fast die komplette Mannschaft in eine Schwächephase. In Rostock herrschte Lethargie, die Jubelstürme des Herbstes wichen beim letzten Spiel vor der Winterpause gegen Cottbus den verzweifelte Pfiffen der Fans. Schon im September hatte Dotchev, der insbesondere für seine Personalpolitik und taktische Eindimensionalität kritisierte wurde, auf einem wackligen Trainerstuhl gesessen. Zumal der Verein so offensiv wie kaum ein anderer Drittligist das Ziel »Aufstieg« ausgegeben hatte.